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Gegründet 1842 in Stuttgart von Caspar Bölsterli. Die Firma Baldauf war somit die erste deutsche Holzwerkzeugfabrik 4)12).
Der aus Ober-Winterthur stammende und in Zürich ansässige Kaspar [Caspar] Bölsterli 13) war um 1840 nach einer Scheidung nach Württemberg gekommen. Er beantragte dort das württembergische Staatsbürgerrecht, um sich in Warmbronn niederzulassen und Rosine Horn zu heiraten 14)17).
Schon bald nach der Gründung zog die Firma in größere Räume in der Gutenbergstraße 21 um 15).
Nach Auskunft des Stadtarchivs Stuttgart bestand die Firma im Jahre 1858 in der Gutenbergstraße 21 unter dem Namen 'Bölsterli(n) und Co., Baldauf, Werkzeugfabrik' 1865 ist nur noch der Name 'Baldauf, Werkzeugfabrik und Dampfschleiferei' verzeichnet.
Ein Bericht über die Weltausstellung in Paris 1855 10) beschreibt die Firma so:
"C. Bölsterli & Comp. in Stuttgart.
Ein Sortiment Werkzeuge für die Holzbearbeitung, bestehend aus:
Hobel jeglicher Art und für jeden Zweck, Sägen,
Scheren, Zangen, Hammer, Äxte, Zirkel,
Winkel, Hobelbänke, Feilen, Bohrer usw.
Diese Fabrik beschäftigt eine große Zahl von
Arbeitern, und die Fabrikräume, deren Organisation
sehr bemerkenswert ist, sind mit den modernsten Geräten
ausgestattet. Ihre Werkzeuge werden nach Bedarf mit oder
ohne Eisen verkauft, und funktionieren in jeder Weise vorbildlich.
Die gute Qualität gewährleistet einen schnellen Absatz
im Zollverein und im Ausland.
Dieses Haus erhielt eine Silbermedaille bei der Ausstellung
in Leipzig, und die Ehrenmedaille in München 1854."
Auf dieser Ausstellung bekam die Firma Bölsterli eine Medaille
zweiter Klasse für ihre Werkzeuge 10).
Das "Gewerbe- und Handels-Adressbuch des Königreichs Württemberg" (1855)
[Google Buchsuche] nennt in der Rubrik 'Werkzeugfabrikation':
"Bölsterli, C., u. Comp. (Chef: C. Baldauf), Werkzeugfabrik und Lager, Augustenstr. 15"
Ausstellung von "Werkzeugen für Holzarbeiter" auf der Weltausstellung in London 1862 10).
Nachfolger von G. Baldauf war Johannes Frank. Obwohl die Geschäftsanlagen in den achtziger Jahren wiederum zu klein geworden waren, wurde die Suche nach einem neuen Standort aufgrund des frühen Todes von Frank verschoben. Sein Nachfolger Emil Frank (1869-1919) fand schließlich 1898 in Neckarsulm ein günstiges Gelände am Neckar und errichtete dort ein neues Fabrikgebäude. Nach dessen Fertigstellung begann dort der Betrieb mit zwölf Mann der alten Stuttgarter Belegschaft. Um 1900 waren in Neckarsulm bereits 60 Mitarbeiter beschäftigt. Auch ein Sägewerk wurde in Betrieb genommen 15)16).
Nach dem Tod von Eduard Goedel in Leipzig wurden 1908 Firmeneinrichtung und Kundenstamm der dortigen Werkzeugfabrik übernommen. In dieser Zeit erlebte die Firma Baldauf einen großen Aufschwung. Das Werk wurde weiter ausgebaut und von Handarbeit auf Maschinenproduktion umgestellt. In der Nachkriegszeit setzte sich der Aufschwung unter der Leitung von Emil Franks Witwe Luise Frank fort. Die Belegschaft erreichte im Jahre 1924 einen Höchststand von 200 Mitarbeitern. Aber schon kurz darauf erfolgte im Zuge der Wirtschaftsdepression ein Abschwung, der beinahe das Ende der Firma bedeutet hätte. Mit der Erweiterung der Produktion auf Holzspielzeug und der Fabrikation von Meßwerkzeugen und Wasserwaagen wurde versucht, die Schließung zu verhindern. Aber erst das Einsetzen von Heeresaufträgen nach 1935 ließen die Produktions- und Beschäftigungszahlen wieder steigen 15)16).
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fabrikanlagen der Firma Baldauf fast vollständig zerstört. Die Produktion wurde danach zwar wieder aufgenommen, aber fehlende Finanzkraft und Wettbewerbsfähigkeit führten 1961 zur Schließung 15)16).
1960 wurde auf dem ehemaligen Firmengelände ein Aluminiumschmelzwerk errichtet 11).
In einem "Bericht über die allgemeine deutsche Industrieausstellung in München im Jahre 1854" werden die Werkzeuge der Firma C. Bölsterli & C. mit denen der Firma Franz Wertheim in Wien verglichen 10).
In der Zeitschrift "Die Werkzeugmaschine" war 1898 6) zu lesen:
"Die Firma G. Baldauf, Werkzeugfabrik in Stuttgart, err[ichtet in] Neckarsulm ein Fabrikgebäude,
nach dessen Vollendung der in Stuttgart ansässige Geschäftsbetrieb dorthin verlegt wird."
Die Firma wird erwähnt in der Doktorarbeit von Friedrich Ott 4) als Mitglied eines Zusammenschlusses von Holzwerkzeugfabriken in den Jahren 1914, 1918 und 1929.
Hinweise auf die Firma im Lieferantenverzeichnis 'Wer liefert was?': Hobel (1960).
In meiner Sammlung: 8)
Einträge in "Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen 7)

keine Patente bekannt
DE0001733498U (08.11.1956) Wasserwaage
DE0001733497U (08.11.1956) Wasserwaage
DE0001744599U (09.05.1957) Wasserwaage
DE0001775382U (09.10.1958) Vollsichtwasserwaage
| 1) | Kataloge der Firma Baldauf (s.o.) |
| 2) | Günter Heine 'Hamburger Werkzeugmacher im 19. Jahrhundert' [GH1] |
| 3) | Josef M. Greber 'Die Geschichte des Hobels' [JG] |
| 4) | Dr. Friedrich Ott, Die deutsche Holzwerkzeug-Industrie [Details] |
| 5) | Internetseite der Stadt Neckarsulm 'Von der Weinbaugemeinde zur Industriestadt' |
| 6) | "Die Werkzeugmaschine", Ausgabe vom 15.09.1898 [Google Buchsuche] |
| 7) | Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen [WAZ] |
| 8) | Eigene Werkzeugsammlung [OWN] |
| 9) | Werkzeugsammlung von Eckhard Pohlmann [EP] |
| 10) | Verschiedene Quellen, Auszüge der betreffenden Textstellen sind auf einer besonderen Quellenseite zu finden. |
| 11) | Internetseite der Firma Rheinmetall |
| 12) | Karl Karmarsch: Geschichte der Technologie seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. München, 1872 |
| 13) | Beiträge zur Kunde und Fortbildung der Zürcherischen Rechtspflege (1842) |
| 14) | Landesarchiv Baden-Württemberg (1842) |
| 15) | 125 Jahre Gewerbeverein Neckarsulm von B. Griesinger, A. Heyler, T. Ehehalt (nach Recherchen von Kurt G. Heid) |
| 16) | Neckarsulm, Die Geschichte einer Stadt (Herausgeber: Stadt Neckarsulm), (nach Recherchen von Kurt G. Heid) |
| 17) | Blog: Die Werkzeugfabrik Baldauf - eine Schweizer Gründung? |