Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeughersteller und -händler

G. Baldauf

Caspar Bölsterli/Georg Baldauf, Stuttgart und Neckarsulm

Firmengeschichte

Gegründet 1842 in Stuttgart von Caspar Bölsterli. Die Firma Baldauf war somit die erste deutsche Holzwerkzeugfabrik 4)12).

Der aus Ober-Winterthur stammende und in Zürich ansässige Kaspar [Caspar] Bölsterli 13) war um 1840 nach einer Scheidung nach Württemberg gekommen. Er beantragte dort das württembergische Staatsbürgerrecht, um sich in Warmbronn niederzulassen und Rosine Horn zu heiraten 14)17).

Der aus Belsenberg (Oberamt Künzelsau) stammende Georg Michael Baldauf (1815-1891) 21) war von Anfang an als Kompagnon beteiligt. Karl Karmarsch besuchte die Firma auf einer Rundreise und berichtete davon 1859 in der "Allgemeinen Zeitung München". Er erwähnte deren "vortheilhafteste" Präsentationen auf den Ausstellungen in Leipzig (1850), London (1851), München (1854) und Paris (1855). Eine größere Anzahl von Werkzeugen hatte Karmarsch dort für die technologische Sammlung der polytechnischen Schule in Hannover gekauft. 18)

Schon bald nach der Gründung zog die Firma in größere Räume in der Gutenbergstraße 21 um 15).

Nach Auskunft des Stadtarchivs Stuttgart bestand die Firma im Jahre 1858 in der Gutenbergstraße 21 unter dem Namen 'Bölsterli(n) und Co., Baldauf, Werkzeugfabrik' 1865 ist nur noch der Name 'Baldauf, Werkzeugfabrik und Dampfschleiferei' verzeichnet.

Ein Bericht über die Weltausstellung in Paris 1855 10) beschreibt die Firma so:
"C. Bölsterli & Comp. in Stuttgart.
Ein Sortiment Werkzeuge für die Holzbearbeitung, bestehend aus:
Hobel jeglicher Art und für jeden Zweck, Sägen, Scheren, Zangen, Hammer, Äxte, Zirkel, Winkel, Hobelbänke, Feilen, Bohrer usw.
Diese Fabrik beschäftigt eine große Zahl von Arbeitern, und die Fabrikräume, deren Organisation sehr bemerkenswert ist, sind mit den modernsten Geräten ausgestattet. Ihre Werkzeuge werden nach Bedarf mit oder ohne Eisen verkauft, und funktionieren in jeder Weise vorbildlich. Die gute Qualität gewährleistet einen schnellen Absatz im Zollverein und im Ausland.
Dieses Haus erhielt eine Silbermedaille bei der Ausstellung in Leipzig, und die Ehrenmedaille in München 1854."
Auf dieser Ausstellung bekam die Firma Bölsterli eine Medaille zweiter Klasse für ihre Werkzeuge 10).

Das "Gewerbe- und Handels-Adressbuch des Königreichs Württemberg" (1855) [Google Buchsuche] nennt in der Rubrik 'Werkzeugfabrikation':
"Bölsterli, C., u. Comp. (Chef: C. Baldauf), Werkzeugfabrik und Lager, Augustenstr. 15"

Ausstellung von "Werkzeugen für Holzarbeiter" auf der Weltausstellung in London 1862 10).

1868 übernahm Baldaufs Schwager, der Mechanikermeister und Werkzeugmacher Johannes Frank (?-1887) die Firma. 21) Im Stuttgarter Adressbuch von 1871 ist Georg Baldauf nur noch als Privatier aufgeführt. Die Inhaber der Firma waren in diesem Jahr Johann Frank und Ferdinand Wurm. 19)

Obwohl die Geschäftsanlagen in den achtziger Jahren wiederum zu klein geworden waren, wurde die Suche nach einem neuen Standort aufgrund des frühen Todes von Johann Frank verschoben. Sein Sohn und Nachfolger Emil Frank (1869-1919) fand schließlich 1898 in Neckarsulm ein günstiges Gelände am Neckar und errichtete dort ein neues Fabrikgebäude. Nach dessen Fertigstellung begann dort der Betrieb mit zwölf Mann der alten Stuttgarter Belegschaft. Um 1900 waren in Neckarsulm bereits 60 Mitarbeiter beschäftigt. Auch ein Sägewerk wurde in Betrieb genommen 15)16).

Nach dem Tod von Eduard Goedel in Leipzig wurden 1908 Firmeneinrichtung und Kundenstamm der dortigen Werkzeugfabrik übernommen. In dieser Zeit erlebte die Firma Baldauf einen großen Aufschwung. Das Werk wurde weiter ausgebaut und von Handarbeit auf Maschinenproduktion umgestellt. In der Nachkriegszeit setzte sich der Aufschwung unter der Leitung von Emil Franks Witwe Luise Frank fort. Die Belegschaft erreichte im Jahre 1924 einen Höchststand von 200 Mitarbeitern. Aber schon kurz darauf erfolgte im Zuge der Wirtschaftsdepression ein Abschwung, der beinahe das Ende der Firma bedeutet hätte. Mit der Erweiterung der Produktion auf Holzspielzeug und der Fabrikation von Meßwerkzeugen und Wasserwaagen wurde versucht, die Schließung zu verhindern. Aber erst das Einsetzen von Heeresaufträgen nach 1935 ließen die Produktions- und Beschäftigungszahlen wieder steigen 15)16).

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fabrikanlagen der Firma Baldauf fast vollständig zerstört. Die Produktion konnte aber 1948 wieder aufgenommen werden. 1955 waren 78 Arbeiter und 15 Angestellte beschäftigt. 21) Aber fehlende Finanzkraft und Wettbewerbsfähigkeit führten 1961 zur Schließung 15)16).

1960 wurde auf dem ehemaligen Firmengelände ein Aluminiumschmelzwerk errichtet 11).

Weitere Informationen

In einem "Bericht über die allgemeine deutsche Industrieausstellung in München im Jahre 1854" werden die Werkzeuge der Firma C. Bölsterli & C. mit denen der Firma Franz Wertheim in Wien verglichen 10).

Anzeige G. Baldauf, 1883
Anzeige 1883 20)
Anzeige G. Baldauf, 1955
Anzeige 1955 21)

In der Zeitschrift "Die Werkzeugmaschine" war 1898 6) zu lesen:
"Die Firma G. Baldauf, Werkzeugfabrik in Stuttgart, err[ichtet in] Neckarsulm ein Fabrikgebäude, nach dessen Vollendung der in Stuttgart ansässige Geschäftsbetrieb dorthin verlegt wird."

Die Firma wird erwähnt in der Doktorarbeit von Friedrich Ott 4) als Mitglied eines Zusammenschlusses von Holzwerkzeugfabriken in den Jahren 1914, 1918 und 1929.

Hinweise auf die Firma im Lieferantenverzeichnis 'Wer liefert was?': Hobel (1960).

Werkzeuge

In meiner Sammlung: 8)

Einfacher Simshobel
Simshobel
Paar Nut- und Federhobel
Paar Nut- und Federhobel
Fensterrahmen-Nuss-Hobel
Fensterrahmen-Nuß-Hobel
Schiffhobel
Schiffhobel
Lisenenhobel
Lisenenhobel

Marken

Einträge in "Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen" 7)
Baldauf Warenzeichen Gepo
Baldauf Warenzeichen

Markenzeichen auf Werkzeugen etc. 8):
Marke Bölsterli
"C. BÖLSTERLI & Co"
Marke auf einem Flitschhobel
(Technisches Museum Wien 9))
Marke Baldauf
"G. BALDAUF, GEGR. 1842"
Eisenmarke auf einem abgefalzten Doppelhobel
Marke Baldauf
"G. BALDAUF", Bild 'Krone'
Auf dem Eisen eines unmarkierten Stellfalzhobels
Marke Baldauf
"B"
Auf einem Fensterrahmen-Nuß-Hobel
Marke Baldauf
"B, D.R.G.M."
Auf dem eisernen Keil eines Reformputzhobels
Marke Baldauf
"B, Bild 'Stern' bzw. 'Kreuz'"
Eisen zweier Profilhobel
(Zuordnung zu Baldauf noch unsicher)

Kataloge

Katalog G. Baldauf 1866
1866
Katalog G. Baldauf 1912
1912
Scan
Katalog G. Baldauf 1921
1921
Katalog G. Baldauf 1930
1930
Katalog G. Baldauf 1930
ca. 1930

Patente

keine Patente bekannt

Gebrauchsmuster

396050 (08.10.1909) Hobel, in den dessen Nase mit einem am unteren Ende befindlichen Zapfen eingreift.
DE0001733498U (08.11.1956) Wasserwaage
DE0001733497U (08.11.1956) Wasserwaage
DE0001744599U (09.05.1957) Wasserwaage
DE0001775382U (09.10.1958) Vollsichtwasserwaage

Quellen und Referenzen

1) Kataloge der Firma Baldauf (s.o.)
2) Günter Heine 'Hamburger Werkzeugmacher im 19. Jahrhundert' [GH1]
3) Josef M. Greber 'Die Geschichte des Hobels' [JG]
4) Dr. Friedrich Ott, Die deutsche Holzwerkzeug-Industrie [Details]
6) "Die Werkzeugmaschine", Ausgabe vom 15.09.1898 [Google Buchsuche]
7) Nachweisung der im Deutschen Reiche gesetzlich geschützten Waarenzeichen [WAZ]
8) Eigene Werkzeugsammlung [OWN]
9) Sammlung des Technischen Museums Wien
10) Verschiedene Quellen, Auszüge der betreffenden Textstellen sind auf einer besonderen Quellenseite zu finden.
11) Internetseite der Firma Rheinmetall
12) Karl Karmarsch: Geschichte der Technologie seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. München, 1872
13) Beiträge zur Kunde und Fortbildung der Zürcherischen Rechtspflege (1842)
14) Landesarchiv Baden-Württemberg (1842)
15) 125 Jahre Gewerbeverein Neckarsulm von B. Griesinger, A. Heyler, T. Ehehalt (nach Recherchen von K. G. Heid)
16) Neckarsulm, Die Geschichte einer Stadt (Herausgeber: Stadt Neckarsulm), (nach Recherchen von K. G. Heid)
17) Blog: Die Werkzeugfabrik Baldauf - eine Schweizer Gründung?
18) "Industrielle Reise-Eindrücke aus Württemberg" in "Allgemeine Zeitung München" (1859) [Google Buchsuche]
19) "Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Stuttgart" (1871) [Google Buchsuche]
20) Handels-und Gewerbsadressbuch des deutschen Reiches (1883) (bei ancestry.de)
21) Anton Heyler: Neckarsulm im Auf und Ab eines halben Jahrhunderts (1955), (nach Recherchen von K. G. Heid)

Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 14. Februar 2016