Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeughersteller und -händler

Howal

C. S. Reich/Howal, Liebenstein

Firmengeschichte

Die Firma wurde 1887 von Carl Sebastian Reich als Pfeifenfabrik in Schweina (Thüringen) gegründet. Als Sohn von August Reich hatte er zunächst in der Fabrik seines Vaters, der 1864 gegründeten Firma "August Reich Söhne" unter der Leitung seines Bruders Sebastian mitgearbeitet. Eine Meinungsverschiedenheit mit ihm gab den Anlaß, eine eigene Firma zu gründen.

Die erste Werkstatt befand sich in der Erbsengasse. Schon 1889 zog die Produktion in das neuerworbene Haus Marktgasse 2 um. Die Zahl der Mitarbeiter stieg bis 1900 von neun auf 40 und bis 1909 auf insgesamt 100 an. 1910 wurde eine weitere Fabrik in der Sachsenstraße errichtet. Im November dieses Jahres starb Carl Sebastian Reich mit 61 Jahren und seine Söhne Richard und Friedrich übernahmen die Fabrik.

Der erste Weltkrieg brachte Schwierigkeiten bei der Rohstoffversorgung, und die anschließende Inflation und steigender Druck der ausländischen Konkurrenz führte zur Suche nach neuen Betätigungsfeldern. 1928 begann man daher mit der Produktion von anderen Holzwaren, wie z. B. Zollstöcken und Wasserwaagen. Ab 1932 wurden dann auch Holzwerkzeuge und Hobel hergestellt.

Mitte der 30er Jahre wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft und diese dann in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Inhaber Richard und Friedrich starben kurz nacheinander, und die Firma ging in die Hände der Gesellschafter Robert Hergert und Karl Reich, sowie der Kommanditisten Martha Hergert und Fritz Reich über.

Zum Zeitpunkt des 50jährigen Betriebsjubiläums in 1937 war die Firma C. S. Reich die größte Pfeifenfabrik Deutschlands.

Im Jahre 1952 wurden die Gesellschafter Robert Hergert und Karl Reich inhaftiert und die Firma am 1. Juli 1953 als "VEB Pfeifen und Holzerzeugnisse Bad Liebenstein" 'in Volkseigentum überführt'. So entstand auch der Name "Howal" als Abkürzung von "Holzwaren Liebenstein".

Durch die Übernahme kleinerer Firmen wurde Howal schließlich Ende der 70er Jahre in der DDR Alleinhersteller von Tabakpfeifen, Maßstäben, Hobeln und Wasserwaagen. Ab dem 1. Januar 1979 nannte sich die Firma "VEB Werkzeuge und Meßgeräte Schweina", obwohl auch weiterhin Pfeifen produziert wurden. Mit der Wende 1990 wurde der Betrieb geschlossen. Die Produktion von Tabakpfeifen wurde 1993 unter anderem Namen wieder aufgenommen. [1]

Ein Photo der alten Reich-Fabrik ist auf den Seiten der Stadt Ruhla zu finden. Ein Stich des Werkes um 1935 aus diesem Katalog liegt auf dieser Seite.

Marken [2]

Einträge im Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamts:

Marke Howal
Wort-/Bildmarke
"Howal"
Reg.-Nr. 2058654
02.03.1994
Ende 2004 gelöscht

Abbildungen von Markenzeichen [3]:

Reichag
C. S. Reich, Schutzmarken
Eingetragene Schutzmarken
(aus diesem Katalog)
>

Kataloge


1935

Patente

keine Patente bekannt

Gebrauchsmuster

DE0006603280U (18.03.1966) Universal-Holzhobel "Howal"

Quellen und Referenzen

[1] Vortrag "Tabakpfeifenherstellung in Schweina" von Edith Raddatz (2003)
[2] Marken, Patente und Gebrauchsmuster stammen aus verschiedenen Quellen, die auf dieser Seite detailliert genannt sind.
[3] Eigene Werkzeugsammlung [OWN]


Abstract Abstract Abstract

The company C. S. Reich in Schweina started as a pipe making firm in 1887. Until World War I it became the biggest pipe producer in Germany. Shortage of exotic woods and cheap imports led to the production of woodworking tools like planes, levels, rulers etc. from around 1930.

In 1953 the company was nationalized and renamed to "VEB Pfeifen und Holzerzeugnisse Bad Liebenstein", better known as "Howal".

Although pipes were still produced, the name changed to "VEB Werkzeuge und Meßgeräte Schweina" in 1979. When the Berlin wall came down, the plant was closed for good.


Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015