Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeughersteller und -händler

Frankenwerkzeuge, Ott Co.

Firma Friedrich Ott, Ochsenfurt

Firmengeschichte

Friedrich Ott 1947
Gustav Friedrich Wilhelm Ott
(1868-1945)
Johann Schumm 1903
Johann Karl Friedrich Schumm
(1856-1909)

Die Firma wurde 1898 von Gustav Friedrich Wilhelm Ott und Johann Karl Friedrich Schumm gegründet. Das Fabrikgebäude mit der Hausnummer 480 wurde 1900 an der Marktbreiterstraße errichtet. 1)

In einer Anzeige im "Offertenblatt für die Deutschen Eisen-, Stahl- und Kurzwaaren-Handlungen" vom 5. Juli 1900 pries sich die "Hobel- und Holzwerkzeug-Fabrik" als "von großer Leistungsfähigkeit" und "Lieferanten bedeutender Specialisten". Etwas rätselhaft für mich ist der Hinweis "Neue Firma, alte Praxis". Das klingt, als ob die Fabrikherren schon vor der Gründung der Fabrik im Geschäft waren.

Nach dem Tod von Friedrich Schumm im Jahre 1909 erwarb Friedrich Ott dessen Anteile und war damit Alleininhaber der Firma. Zum 1. Januar 1926 erfolgte die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft. Im Jahre 1941 wurde Dr. Friedrich Ott jun. (Sohn von Gustav Friedrich Wilhelm Ott) als zweiter Gesellschafter in die Firma aufgenommen. 1)

Auf dieser Seite sind Ansichten der Fabrik zu verschiedenen Zeiten zu sehen. 1942 hatte die Firma 20-25 Arbeiter und 4 Angestellte. Zur 50-Jahresfeier am 26. 9. 1949 stellten sich 120 Mitarbeiter dem Photographen. 1)

In den 50er Jahren wurde die Produktion erweitert (Holzspielwaren, Fenster und Türen, Innenausbau). Wegen Erbauseinandersetzungen wurde die Firma schließlich 1965 an das Wohnwagenwerk Knaus in Ochsenfurt verkauft. Das Eingangstor zur Fabrik mit dem Wappen der Firma wurde 1983 im Rahmen von größeren Umbauarbeiten abgerissen. 1) Heute befindet sich in der ehemaligen Fabrik ein Einkaufszentrum.

Von Friedrich Ott (Sohn des Gründers) stammt eine Doktorarbeit über die Deutsche Holzwerkzeug-Industrie (1933). Seine Diplomarbeit mit dem Titel "Umsatz-Gestaltung, Kosten-Entwicklung und Verbands-Politik der deutschen Holzwerkzeug-Industrie" befaßte sich bereits mit einem ähnlichen Thema. 3)

Aus der Gründungszeit der Firma stammt diese Arbeitsordnung1)

Weitere Informationen

In den Jahren 1914, 1918 und 1929 war die Firma Mitglied eines Kartells von Holzwerkzeugfabriken [FO]. 4)

Hinweise auf die Firma im Lieferantenverzeichnis 'Wer liefert was?':
Hobel (1940),
Hobel (1950),
Hobel (1954),
Hobel (1960).

Aus der 'Bayerischen Schreinerzeitung' stammen diese Anzeigen der Firma: 28.02.1930, 26.10.1934, 06.05.1938.

Werkzeuge

In meiner Sammlung:

Schrupphobel Fr. Ott
Schrupphobel mit eisernem
Handschoner (DRGM)
Zwei Musterhobel, Fr. Ott
Zwei kleine Schlichthobel/Musterhobel
Stellfalzhobel Friedrich Ott
Stellfalzhobel 1
Stellfalzhobel Friedrich Ott
Stellfalzhobel 2
Deutschstabhobel/Karnieshobel
Deutschstabhobel/Karnieshobel
Doppeltes Streichmaß
Streichmaß "DUPLEX"
Schlichthobel Ott/Knaus
Doppelhobel (KNAUS-Logo)
Jalousiehobel Friedrich Ott
Jalousiehobel
Grat- und Grundhobel, Friedrich Ott
D.R.G.M. Grat- und Grundhobel
Gargelkamm
Gargelkamm
Nuthobel mit Parallelstellung aus Messingröhren
Nuthobel mit Parallelstellung
aus Messingröhren
Nuthobel mit "Ochsenkopf"-Zeichen
Nuthobel mit "Ochsenkopf"-Zeichen
Wagnerputzhobel mit "Ochsenkopf"-Zeichen
Wagnerputzhobel mit "Ochsenkopf"-Zeichen
Kehlhobel, Friedrich Ott, Ochsenfurt
Kehlhobel

In der Sammlung von Eckhard Pohlmann 5) auf der Seite http://www.altes-handwerkzeug.de):
Simshobel, Schlichthobel, Zahnhobel sowie Nuthobel (Photo ebenfalls von Eckhard Pohlmann)

In der Sammlung von Christian Peglow 8) auf der Seite http://hobelaxt.wordpress.com):
Putzhobel Typ D

Marken

Markenanmeldungen 7)
Warenzeichen Friedrich Ott Das ist das bekannte Markenzeichen der Firma Ott, wie es auf den meisten Werkzeugen eingestempelt ist.
Warenzeichen Friedrich Ott Dieses Zeichen wurde anscheinend nicht benutzt. Der abgebildete Hobel ist auch auf der Rückseite einer Preisliste von 1920 zu finden. Es handelt sich um die (stark veränderte) Wiedergabe eines Hobels auf einem italienischen Gemälde (vermutlich Jacopo da Ponte: Bau der Arche Noah, 2. Hälfte 16. Jh.).
Warenzeichen Friedrich Ott Dieses Zeichen wurde als Metallplakette auf Werkzeugen angebracht und ist oft neben dem Warenzeichen "Trocken Holz, unser Stolz" zu finden.

Abbildungen von Markenzeichen:


Markenzeichen Friedrich Ott, Löwe mit Wappen
Bild 'Löwe mit Wappen' und Buchstaben "O & C" 6)
Markenzeichen Friedrich Ott, Löwe mit Wappen
Bild 'Löwe mit Wappen' und Buchstaben "O & C" 6)
Markenzeichen Friedrich Ott, Löwe mit Wappen
"Ochsenfurter Hobelbank, Fr. Ott & Co"
Bild 'Löwe mit Wappen' und Buchstaben "O & C" 9)
Das Fabrikzeichen 'Löwe mit Wappen' und den Buchstaben "O&C" ist vermutlich das älteste Warenzeichen der Firma Ott. Auf Katalogen ist es nur aus den ersten Jahren der Firma zu finden (ca. 1900-1910; siehe unten). Diese beiden Beispiele stammen von einem Profil- bzw. einem Grathobel und einer Hobelbank.

Markenzeichen Friedrich Ott, Ochsenkopf
 Ochsenfurter Hobelbank, Fr. Ott & Co.
Markenzeichen Friedrich Ott, Ochsenkopf
Bild 'Ochsenkopf'
(von diesem Hobel)
Dieses Zeichen wurde anscheinend nur wenige Jahre um 1910 benutzt (siehe zum Beispiel diesen Nuthobel und diesen Wagnerputzhobel). Vermutlich bezieht sich der Ochsenkopf auf den Standort der Firma in Ochsenfurt. Auf einem Briefkopf von 1914 ist dieser Ochsenkopf ebenfalls abgebildet, mit dem Zusatz "Fabrikzeichen". Eine Markenanmeldung dafür konnte bisher nicht gefunden werden. Möglicherweise wurde das Zeichen wieder zurückgezogen (wegen zu großer Ähnlichkeit mit der Marke "Ochsenkopf" der Firma Daniel Kremendahl?). Auf einer Preisliste von 1916 (s.u.) wurde dieses Fabrikzeichen von Hand durchgestrichen und durch das folgende Markenzeichen "Trocken Holz, Unser Stolz" ersetzt.

Markenzeichen Friedrich Ott, 'Trocken Holz, Unser Stolz'
"Trocken Holz, Unser Stolz, F. O. & Co." 5)
Dieses Motto der Firma Ott ist schon in den ersten Katalogen enthalten (Vorwort einer Preisliste von ca. 1900) und ist auch auf dem Eingangstor der Fabrik (1925) zu sehen. Das Markenzeichen in dieser Form wurde 1913 angemeldet (s.o.) und vermutlich ab dieser Zeit benutzt. Bei Hobeln findet man es eingeschlagen auf der Rückseite, oft zusätzlich zu den später auftretenden Metallplaketten.

Markenzeichen Friedrich Ott, 'Frankonia A'
"FRANKONIA, A, DRGM"
Markenzeichen Friedrich Ott, 'Franken B'
"FRANKEN, B, DRGM" 6)
Markenzeichen Friedrich Ott, 'Franken D'
"FRANKEN, D, DRGM" 8)
Diese Zeichen stammen aus der Zeit nach 1920, als verschiedene Arten von eisernen Widerlagern als Alternative zu Wangenwiderlagern produziert wurden (siehe dazu auch diese zwei Musterhobel der Firma Ott). Der jeweilige Typ wurde durch eine solche Plakette angezeigt. Der Buchstabe "A" bezeichnete ein Widerlager, das aus einer einfachen in den Wangen verankerten Metallplatte bestand. Der Buchstabe "B" steht für den halbrunden Eisenbolzen, der sich schließlich als Widerlager durchsetzte. Mit "C" wurde ein Hobel mit einer Kugelrolle als Widerlager gekennzeichnet. Der Buchstabe "D" steht für einen Hobel mit einem "Stellkeil zur Spanloch-Verengung", wie er auch von den Firmen Hiessinger und Krehn verwendet wurde (siehe auch diese Zusammenstellung von Patenten [auf Englisch]). Diese vier Hobeltypen mit dem "neuartigen Keilwiderlager" erscheinen erstmals in einer Katalogbeilage von 1927 (siehe Scan).

Markenzeichen Friedrich Ott, 'Franken-Hobel'
"FRANKEN, OTT-Co., HOBEL"
Zeitlich schwer einzuordnen ist dieses Zeichen. Am wahrscheinlichsten scheint mir der Zeitraum um 1930, als Übergang zwischen dem Frankonia-Zeichen und der später benutzten Frankenwerkzeug-Marke.

Markenzeichen Friedrich Ott, 'Frankenwerkzeuge'
"FRANKEN, OTT-Co, WERKZEUGE"
Dieses Zeichen wurde 1928 als Marke angemeldet (s.o.) und bis zum Verkauf der Firma in 1965 benutzt.

Markenzeichen Friedrich Ott, 'Knaus, Frankenwerkzeuge'
"FRANKEN, KNAUS, WERKZEUGE"
Als der Wohnwagenhersteller Knaus die Firma Ott in 1965 aufkaufte, wurde die Werkzeugproduktion weitergeführt und die Hobel mit einem eigenen Zeichen versehen.

Kataloge


1899

1900
Scan

1907

1916

1920

ca. 1925

19xx

1935

ca. 1940
Scan

1942

1948

1949

1949

ca. 1950

1960

1960

Patente 7)

AT0000003773B (10.04.1901) Handsäge
DE0000582774A (18.08.1933) Aus einzelnen Hoelzern durch Vernutung zusammengesetzte, als Fleischhackblock, Stanzklotz, Zuschneidbrett o. dgl. dienende Arbeitsunterlage
DE0000607491A (28.12.1934) Furnierbock

Gebrauchsmuster 7)

133798 (10.04.1900) Mit zwei senkrechten Lappen sich gegen die Innenfläche des Sägearmes anlegende, mit zwei Seitenlappen den letzteren gabelartig erfassende Verbindungsmuffe zwischen Sägesteg und Sägearm (siehe diese Katalogseite von ca. 1900).
136335 (26.05.1900) Sägearm mit Eisen- oder anderer Metall-Einlage zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Biegen und Bruch.
137105 (15.06.1900) Eingelegte Holzfedern zur Verbindung des Rückenstückes mit den Schenkelstücken an Schraubzwingen u. dgl.
138299 (20.06.1900) Hobelbankzange mit Führungen in Stabform beliebigen Profils aus Eisen oder anderem Metall.
142123 (27.09.1900) Schraubzwinge, deren Theile durch Bügelschraube, einen den ganzen Rücken umfassende Eisengarnitur, unter einander verbunden sind.
180627 (24.06.1902) Fugblock für Küfer, bestehend aus einem U-förmigen oder ähnlich geformten Eisen.
209490 (20.08.1903) Hobelkeil aus Holz, welcher am Kopfe mit einem metallenen Ring versehen ist, der zur Erleichterung des Herausschlagens seitwärts oder vorn eine Nase besitzt.
214504 (01.12.1903) Schutzplatte aus Eisen oder Metall, auf der hinteren Stirnseite des Hobels angebracht.
216798 (08.12.1903) Hobelbankschlüssel aus Stahlrohr mit zwei einsteckbaren, zapfenförmigen hölzernen Köpfen.
290081 (23.08.1906) Hobelbankzange mit Schnellspannung in Form einer eisernen Führung, im Zusammenhang mit eiserner Spindel und aus zwei Teilen bestehender Mutter, welch letztere durch einen Hebel ausgelöst, resp. geöffnet und geschlossen wird.
294780 (17.11.1906) Hobel mit Nase, bei welchem der vordere obere Teil derart geformt ist, daß er den unteren Teil der seitherigen Nase ersetzt.
294797 (26.11.1906) Schutzspannbacken aus Holz mit eiserner Klammer zum Festhalten an den Hobelbankhaken
441821 (12.10.1910) Spundhobel zum Verstellen für verschiedene Holzbreiten.
441985 (12.10.1910) Hobel, aus mehreren Teilen zusammengesetzt.
447581 (06.12.1910) Streichmaß zum Verstellen mit runder Metallplatte und Stellschraube.
448103 (18.11.1910) Hobel mit eingeleimter Querholzfeder.
511553 (20.05.1912) Handschutz aus Metall für Hobel. (siehe diesen Schrupphobel)
DRGM 511553, Handschoner von Friedrich Ott
638853 (23.10.1915) Handsäge mit verkürzten Armen und in runder Nute feststehendem Stege.
(als "Neue Ochsenfurter Handsäge" in einer Preisliste von ca. 1925 aufgeführt)
639472 (06.11.1915) Hobel mit nach allen Seiten beweglichem Führungsgelenk.
639473 (06.11.1915) Verstellbarer Führungsbügel aus Metall für Hobel und andere Werkzeuge.
877180 (xx.xx.xxxx) "Neue Ochsenfurter Streichmaße" (Preisliste von ca. 1925)
889030 (xx.xx.xxxx) "Kombinierter Universal-, Falz-, Nut- und Spundhobel" (Preisliste von ca. 1925)
891862 (xx.xx.xxxx) "Winkel für Treppenbauer mit Metallmaßstäben" (Preisliste von ca. 1925)
893035 (xx.xx.xxxx) "Neuer Ochsenfurter Radverzierungshobel" (Preisliste von ca. 1925)
993335 (xx.xx.xxxx) "Franken Hobelbänke: Zangenkonstruktion in Form von gezogenen Präzisionsstahlröhren" (Beilage Preisliste von ca. 1935)
1677108 (26.05.1954) Zweiseitig wirkende Kipp-Vorrichtung
1698830 (18.05.1955) Halter für Bierglasuntersetzer
1819542 (13.10.1960) Hobelbankvorderzangenführung

Quellen und Referenzen

1) Informationen von Frau Brigitte Ott (Schwiegertochter von Dr. Friedrich Ott)
2) Informationen von Frau Wilhelmine Hiller (Enkelin von Johann K. F. Schumm)
3) Dissertation von Friedrich Ott "Die deutsche Holzwerkzeug-Industrie" (Würzburg, 1933)
4) Günther Heine "Hamburger Werkzeugmacher im 19. Jahrhundert (Hamburg, 1991)
5) Sammlung Eckhard Pohlmann
6) Sammlung K. G. Heid
7) Marken, Patente und Gebrauchsmuster stammen aus verschiedenen Quellen, die auf dieser Seite detailliert genannt sind.
8) Sammlung Christian Peglow
9) Sammlung A. Koch

Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 05. September 2016