Wolfgang Jordan
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Werkzeug von Georg Ott ("Ulmia"), Ulm

Ulmia

Informationen aus Katalogen und sonstigen Quellen:

Neben den mir vorliegenden Katalogen von Georg Ott/"Ulmia" finden sich die Werkzeuge dieser Firma auch in einer Reihe von Händlerkatalogen und Fachbüchern. Das liegt sicher daran, daß Ulmia-Werkzeuge über einen langen Zeitraum einen sehr guten Ruf hatten und auch heute noch haben. Ein wichtiger Grund ist unter anderem die Innovationskraft dieser Firma, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine Reihe von Verbesserungen an z. B. Handhobeln hervorbrachte. Diese Entwicklung soll anhand einiger Beispiele näher erläutert werden.

Im einzelnen wurden die folgenden Kataloge für diese Zusammenstellung verwendet (eigenes Archiv):
F. & R. Ehrlicher (1907),
Delisle & Ziegele (ca. 1910),
C. A. Kresse (ca. 1920),
Einkaufszentrale für Handwerk u. Industrie (ca. 1930),
Verschiedene Ulmia-Kataloge (1930-1960).


vor 1910

Am 6. Januar 1894 meldete Georg Ott ein Gebrauchsmuster an mit dem Titel
"Hobel mit aufgelegter Sohle und verstellbarem Plättchen zur Regulirung der Messeröffnung."

So unscheinbar begann die Geschichte eines Hobels, der wenig später als "Reformhobel" bekannt werden sollte. Von praktisch allen Hobelherstellern wurde diese Bauart übernommen. Meistens aus Obstholz (Apfel oder Birne) mit Pockholzsohle hergestellt, waren Reformhobel der Stolz jeder Werkstatt.

In der "Ulmer Zeitung" erschien am 10. März 1898 ein Artikel über die Ott'sche Fabrik, in dem als eine ihrer wichtigen Entwicklungen der Reformhobel erwähnt wird [abgedruckt in der Festschrift 1977]. Die Entwicklung dieses Hobels geht auf Eindrücke Georg Otts während einer Studienreise in die USA zurück [Denkschrift 1927].

Ein vermutlich sehr frühes Exemplar eines Reformhobels habe ich in meiner Sammlung:

Früher Reformhobel

Er trägt die Nummer des Gebrauchsmusters, die Pockholzsohle ist mit einer Rechteckprofilierung aufgeleimt und der eiserne Keil hat eine frappierende Ähnlichkeit mit denen der amerikanischen Transitional-Hobel (Beispiele auf www.supertool.com).

Die Gebrauchsmusternummer wird später durch den Schriftzug "ULMER REFORMHOBEL" ersetzt. Die Bezeichnung "Reformhobel" scheint am Anfang nur für den Ott'schen Hobel üblich gewesen zu sein, wurde aber später allgemein benutzt.

Die erste mir bekannte Abbildung eines Ulmer Reformhobels stammt aus einem Katalog der Münchner Eisenwarenhandlung F. & R. Ehrlicher von 1907 [EHR]. Das Aussehen dieses Hobels ist identisch mit der unten wiedergegebenen Abbildung im Kresse-Katalog von 1920 und zeigt schon die wellig aufgeleimte Sohle.

In einem Katalog von 1905 bietet die Firma Wilhelm Schmitt ("Kirschen") spezielle Hobeleisen für Georg Ott's Reformhobel an.

1910-1920

Putzhobel 1920 CAKresse Reformhobel 1920 CAKresse

Diese beiden Hobel, der eine aus Weißbuche mit aufgeleimter Pockholzsohle, der andere mit amerikanischer Klappe werden in einem Händlerkatalog von 1910 als neu vorgestellt (Delisle-Katalog von 1910 [DZ1]). Der Hersteller wird nicht genannt, aber man kann wohl mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß es sich um Hobel von Georg Ott handelt. Ein Reformhobel ist in diesem Katalog nicht enthalten.

Putzhobel 1920 CAKresse Reformhobel 1920 CAKresse
Putzhobel und Reformhobel (Kresse-Katalog von 1920 [KRS1])

Katalogabbildungen von 1920 zeigen die aufgeleimte Pockholzsohle und die amerikanische Klappe vereint in Hobeln von Ulmia. Die Klappe zeigt eine Abbildung des Ulmer Münsters in einem Oval, darunter einen sechszackigen Stern. Unter dem schlüssellochförmigen Loch für die Halteschraube steht halbrund und umrandet "Ott's Ulmer Hobel". Das U-förmige Gebilde hinter dem Eisen dient offensichtlich als Stütze für das Eisen, das sich unter dem Druck der Feststellschraube sonst verbiegen würde. Die Aufnahmen unten stammen von diesem Doppelhobel und zeigen die Klappe und die Eisenstütze im Detail. Die gleiche Eisenstütze wurde auch bei Rauhbänken benutzt, woran man sieht, daß es sich nicht um einen Handschoner handeln kann.

Eiserner Keil 1920 Eisenstütze

1920-1930

Putzhobel 1930 Einkaufszentrale
Putzhobel (Einkaufszentrale-Katalog von ca. 1930 [EHI])
Widerlager nach Patent DE419533
Detail des Keilwiderlagers aus der Patentschrift

Dieses aus einem Bolzen und einer drehbar gelagerten Platte bestehende Keilwiderlager wurde am 6. 6. 1924 unter der Nummer DE0419533 zum Patent angemeldet.

Bemerkenswert ist der hölzerne Handschoner, der schon die heute noch benutzte Form aufweist. Weitere neue Merkmale sind die taillierte Form des Keils, der sich von Hand lösen läßt, und der eiserne Schlagknopf. Die Schutzmarke hat ein neues Aussehen bekommen und trägt jetzt den Markennamen "Ulmia". Hobel dieser Bauart sind schon 1926 in dem "Fachbuch des Tischlers" (Hrsg: Nordwestdeutscher Tischler-Innungsverband , 1. Auflage) zu finden. Auch in der Denkschrift der Firma Georg Ott zum 50-jährigen Jubiläum in 1927 [ULF1] werden "die neuen Hobel mit patentierter Keil- und Eisenbefestigung mit eingegratetem Handschoner und eisernem Schlagknopf" erwähnt.

Hobel mit diesem Widerlager habe ich auch in meiner Sammlung (--> Schlichthobel, --> Zahnhobel).

Reformhobel 1930 Ulmia
Reformhobel (Ulmia-Katalog von 1930 [ULM1])

Die Hobel mit amerikanischer Klappe, wie dieser Reformhobel, werden jetzt ebenfalls mit hölzernem Handschoner und eisernem Schlagknopf ausgerüstet. Das macht die Eisenstütze entbehrlich, weil der Handschoner deren Funktion übernimmt. Der eiserne Keil ist einfacher gestaltet und trägt nur noch den Schriftzug "ULMIA". Die Feststellschraube ist nicht mehr geriffelt, sondern wellenförmig gepreßt. Ein Exemplar dieses Hobels befindet sich auch in meiner Sammlung (--> Reformputzhobel).

1930-heute

Fausthobel FS 1937
Fausthobel FS (Ulmia-Katalog von 1930 [ULM1])

Dieses Keilwiderlager in Form einer Gabelplatte wurde 1938 in der Schweiz zum Patent angemeldet (CH0196033). Offensichtlich wurde es eine Zeitlang produziert, aber schließlich von dem geschlossenen Keilwiderlager (s. u.) abgelöst.

Putzhobel 1930 Ulmia
Putzhobel (Ulmia-Katalog von 1930 [ULM1])

Dieses geschlossene Keilwiderlager ist eine Weiterentwicklung des offenen Widerlagers nach dem Patent DE0419533 und wurde unter der Nummer DE0561061 am 23. 5. 1930 zum Patent angemeldet. Diese Bauart hat sich wohl als so erfolgreich erwiesen, daß auch die heutigen Hobel noch damit ausgerüstet sind. Allerdings wird es mittlerweile nicht mehr aus Metall, sondern aus Kunststoff hergestellt.

Weiterentwicklung des Reformhobels

Anfang der Fünfziger Jahre wurden mehrere Gebrauchsmuster von Georg Ott angemeldet, die die Funktion des verstellbaren Plättchens vor dem Hobelmaul betrafen. DBGM Nr. 1608108U enthielt Verbesserungen an der Lagerung der Halteschraube. Bisher endete diese in einer Einschraubmutter. Die Einstellung wurde dadurch ermöglicht, daß das Loch für die Schraube sehr weit war. Das Gebrauchsmuster sah ein Langloch in dem Holzplättchen vor, in dem das breitere untere Ende der Schraube verschiebbar war. DBGM Nr.1635146U versuchte, ein ungewolltes Verstellen der Spanöffnung beim Einstellen des Eisens zu vermeiden, indem die Kontaktfläche zwischen Plättchen und Hobel mit Rillen oder einem rauhen Belag versehen wurde. Das dritte Gebrauchsmuster (DBGM Nr. 1661800U) beschrieb eine Verstärkung des Plättchens durch einen Metallstreifen, um die Abnutzung der Sohle praktisch ganz zu verhindern.

Inwieweit diese Verbesserungen tatsächlich produziert wurden, kann ich derzeit nicht sagen. Der Mechanismus, mit dem das Holzplättchen vor dem Hobelmaul verstellt wird, wurde aber in den folgenden Jahren verbessert. Eine von vorne zugängliche waagrechte Schraube ermöglichte die genaue Einstellung des Hobelmauls und sicherte das Plättchen gleichzeitig gegen unbeabsichtigte Verschiebung. Ein Patent dafür konnte ich nicht finden, aber das Prinzip war sicher schon länger bekannt, wie an diesem Putzhobel von Otto Kneisel zu sehen ist.

Einfache Hobel

Knabenhobel 1960 Ulmia
Knabenhobel (Ulmia-Katalog von ca. 1960 [ULM4])

Neben der geschlossenen Keilplatte gab es aber auch in neuerer Zeit einfache, aus einem drehbar gelagerten Halbstab bestehende Widerlager. Mehrere Rundstabhobel in meiner Sammlung haben ein solches Widerlager, das in zwei in die Wangen eingeschraubte Buchsen eingesetzt ist. Diese Konstruktion ist ansonsten nur von der Firma Fr. Ott (Ochsenfurt) bekannt. Bei dem oben abgebildeten Knabenhobel ist das Widerlager sogar fest eingenietet und nicht beweglich.

Benutzte Bildmarken

Auf der Ulmia-Hauptseite sind verschiedene Bildmarken gezeigt, die von der Firma Georg Ott angemeldet wurden. Mit Ausnahme des letzten Zeichens (Reg-Nr. 962067) konnten alle auf Abbildungen in Katalogen oder Anzeigen nachgewiesen werden. Bei Werkzeugen ist die Situation komplizierter.

Das Zeichen mit der Reg.-Nr. 114831 ist in fast identischer Form sowohl auf Hobeln wie auch auf Hobeleisen zu finden. Vor ca. 1925 wurde das Herstellerzeichen noch direkt in das Holz des Hobels geschlagen. Wie unten zu sehen ist, steht oben auf der Marke der Name "Ott", am linken Rand "SCHUTZ" und am rechten "MARKE". Der Markenname "ULMIA" wurde zu dieser Zeit nur vereinzelt verwendet, z. B. für die Gehrungssäge oder die Furnierpresse.

Ab ca. 1925 setzt sich der Markenname "ULMIA" allgemein für Produkte der Firma durch. Bei den Hobeln zeigt sich das in einem neugestalteten Markenzeichen, das von dieser Zeit an als Metallmarke auf den Hobeln zu finden ist. Der Name "OTT" wandert jetzt nach unten und wird ersetzt durch den Markennamen "ULMIA", wobei der Buchstabe 'M' auf der Spitze des Turms zu balancieren scheint. Das gleiche Zeichen wird auf die Eisen geschlagen, wobei die Ausführung deutlich feiner ist.

Vermutlich ca. 1950 verschwindet der Schriftzug "SCHUTZMARKE". Zu einem späteren Zeitpunkt wird das Zeichen abermals umgestaltet. Das Münster tritt mehr in den Hintergrund und wird kleiner, der Hauptturm aber stärker betont.

Schutzmarke Ott
< 1925
Schutzmarke Ott
1925 - 1950
Schutzmarke Ott
1950 - 1980(?)
Schutzmarke Ott
1980(?)-heute


Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015