Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeughersteller und -händler

Michael Pfurtscheller, Fulpmes

Michael Pfurtscheller, Fulpmes (Österreich)

Firmengeschichte

Michael Pfurtscheller (geb. 29. Sept. 1776 in Fulpmes, gest. 3. Febr. 1854 in Fulpmes) erlangte als Kampfgefährte Andreas Hofers einige Berühmtheit im Tiroler Freiheitskampf. In seiner Heimatgemeinde wurde ein Denkmal für ihn errichtet und eine Straße nach ihm benannt.

Pfurtscheller übernahm 1811 das von seinem Stiefvater Johann Volderauer 1742 gegründete Handelshaus. Zusammen mit seinem Vetter Matthäus Pfurtscheller brachte er das Haus zur Blüte und erwarb sich große Verdienste um die Stubaier Eisenindustrie. Er erweiterte den Handel um die Produktion, indem er viele Handwerksbetriebe in Fulpmes und Umgebung auf Kommissionsbasis für sich arbeiten ließ.

Durch die napoleonischen Kriege hatte die Eisenindustrie ihre tradionellen Absatzgebiete in vielen europäischen Ländern verloren. Pfurtscheller verhalf ihr durch den Kommissionshandel wieder zum Aufschwung. Er gründete Filialen in Imst, Feldkirch, Steyr, Trient und in Deutschland. Das Sortiment wurde um Messing- und Stahlwaren erweitert. "Um 1825 waren im ganzen Tal bereits 93 Meister mit ungefähr 130 Gesellen und 100 Hilfsarbeitern beschäftigt. Von den Meistern waren 73 in Fulpmes, acht in Neustift, sieben in Telfes, fünf in Mieders und Schönberg tätig." 5)

Pfurtschellers ältester Sohn Johann übernahm 1844 den Betrieb. Er starb aber schon mit 46 Jahren an einem Schlaganfall, als sein ältester Sohn Karl noch minderjährig war. "Als Vormund wurde ein Onkel bestellt, dessen Unfähigkeit, Großtuerei und Verschwendungssucht das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte." 4) Die Filialen in Feldkirch und Steyr mußten verkauft werden. Als Karl Pfurtscheller den Betrieb übernahm, waren die Schulden und Zinsen auf über 100000 Kronen angewachsen.

Karl gelang es zwar, den Betrieb auszuweiten und die Märkte in Ungarn und Galizien zu erschließen. Er starb aber schon mit 41 Jahren, als sein Sohn Konrad erst elf Jahre alt war. "Als Vormund wurde der Prokurist Halbeis bestellt, der zusammen mit dem Magazineur Agostini (einem Italiener, der die Filiale in Triest leitete) teils durch Unfähigkeit, teils durch Unredlichkeit das Unternehmen herunterwirtschaftete." 4) Die zunehmende ausländische Konkurrenz und die steigende Verschuldung durch Zinszahlungen an Erben hatten zudem den Betrieb stark geschwächt. Der Mangel an Kapital verhinderte dringend nötige Investitionen und brachte auch die abhängigen Meister in Schwierigkeiten.

Als Konrad Pfurtscheller den Betrieb übernehmen sollte, waren die Schulden soweit angewachsen, daß er gezwungen war, den Konkurs anzumelden. Bei der Versteigerung 1902 kaufte die Gemeinde Fulpmes den gesamten Firmenbesitz. Die Produktionsanlagen wurden noch im gleichen Monat von der "Werkgenossenschaft der Stubaier Kleineisenindustrie" übernommen. 3)

Weitere Informationen

Im "Bericht über die dritte Allgemeine österreichische Gewerbeausstellung in Wien, 1845" findet man eine Aufzählung der ausgestellten Werkzeuge und Informationen über die Firma (Google Buchsuche):

Michael Pfurtscheller's Söhne und Nachfolger Johann und Franz, Eisengeschmeid-Waaren-Fabrikanten zu Fulpmes im Unter-Innthaler Kreise Tirols (Ausstellungs-Nr. 958): Werkzeuge, Hobeleisen, Stemmeisen, Schnitzer, Reifmesser, Bohrer, Hämmer, Maurerkellen, Sägen, Scheren, u. dgl.; gute, mannigfaltig verbesserte Waare, welche dort in grosser Menge erzeugt und in den Handel gebracht wird.
Die bedeutende Anzahl und Mannigfaltigkeit dieser Artikel so wie die Billigkeit der Preise sind die Hauptursachen ihres lebhaften Verkehres.
Ueberhaupt sind die Eisengeschmeid-Arbeiten vom Stubayer Thale Tirols aus Fulpmes, Telfs, Neustift und Mieders bekannt. Dort befinden sich 29 Hammermeister und 60 Kleinmeister mit 350 Hilfsarbeitern, welche jährlich 2500 Centner Roheisen, 1250 Centner Stahl, 250 Centner gewalztes Blech und 24 Centner Draht zu Feldküchen, Geräthen, Pfannen u. dgl. verarbeiten. Die Einsender erhielten wegen guter sehr billiger Waare, wegen der Mannigfaltigkeit und Verbesserung der Erzeugung, dann wegen des bedeutenden Betriebes die bronzene Medaille.

Marken

Markenanmeldungen 1)
Pfurtscheller Warenzeichen Pfurtscheller Warenzeichen

Markenzeichen auf Werkzeugen etc. 2):
M. PFURTSCHELLER
"M PFURTSCHELLER"
"GARANTIE"
M P F
"M P F"

Quellen und Referenzen

1) Markenanmeldungen im "Österreichischen Markenanzeiger", siehe diese Seite
2) Sammlung Ulrich Affolderbach
3) "Die Entwicklung der Werkgenossenschaft der Stubaier Kleineisenindustrie rGmbH in Fulpmes" von Hugo Scherbaum (Fulpmes, 1903, Nachdruck 1955) [FULP]
4) Die Innerebner: Ein altes Sarnergeschlecht, von Waldemar Grossmann, Georg Innerebner (1984, Google Buchsuche)
5) Österreichische Ingenieur-Zeitschrift, Seite 142 (1972, Google Buchsuche)

Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015