Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeug von Jos. Steiner & Söhne/Laupheimer Werkzeugfabrik, Laupheim

Laupheimer Werkzeugfabrik

Informationen aus Katalogen und sonstigen Quellen:

Von der Laupheimer Werkzeugfabrik liegen vergleichsweise viele Kataloge vor, so daß vor allem für die 1920er und 1930er Jahre eine gute Datierung möglich ist. In diesem Zeitraum sind in einer Situation verschärfter Konkurrenz zwischen den Firmen die bekannten Marken entstanden. Mehr zu den Katalogen steht hier: LWF1 (1906), LWF2 (1937), LWF3 (1950) und LWF4 (1862) (eigenes Archiv), 1923, 1927, 1929, 1930 und 1933 (Deutsches Museum, München).

1859-1920

Die Preisliste von 1862 enthält keine Abbildungen und erlaubt daher nur begrenzte Aussagen. Es bleibt nur festzustellen, daß bereits so kurz nach Gründung der Firma bereits die ganze Palette von Holzwerkzeugen für Schreiner, Glaser, Küfer, Wagner, Zimmerleute und Buchbinder produziert wird.

1920-1923

Die beiden Kataloge von 1920 und 1923 zeigen zwar bereits eine Vielfalt an Hobelformen, aber noch keine Markenbezeichnungen. Neben der Standardform, wie sie z. B. in dem Katalog von 1906 zu sehen ist, gibt es eine "Hamburger Form" mit breiten Fasen und eine "Spezialform" (DRGM), die sich an die österreichischen Formen anlehnt. Außerdem werden immer noch Modelle der 1918 übernommenen Fabrik Wilhelm Braun angeboten. In diesen Katalogen ist erstmals ein Handschoner an Bankhobeln zu finden (patentiert in Österreich mit der Nummer 118886).

1925

Um 1925 wird der "Schupo-Hobel" eingeführt, der seinen Namen der von der Laupheimer Werkzeugfabrik als erster Firma (Eigenwerbung) angebotenen Schutzpolitur verdankt (Warenzeichenanmeldungen von 1925, 1926 und 1928). Anscheinend findet diese Oberflächenbehandlung bald Nachahmer, deshalb wird dem "Schupo" ein "Original" vorangestellt. Erkennungszeichen des Schupo-Hobels ist ein Einschnitt im Keil, was diesen von den Bankhobeln anderer deutscher Hersteller abhebt (noch unklar, ob dieser Einschnitt die spätere Steiner-Form besitzt).

1927-1929

Das Material der Hobel ist zu dieser Zeit ausschließlich Weißbuche. In einem Prospekt von 1927 wird auf die Tatsache eingegangen, daß andere Firmen Hobel aus Rotbuche mit aufgeleimter Weißbuche fertigen. Die Laupheimer Werkzeugfabrik stellt klar, daß "Weißbuche, am besten slawonischer Herkunft" das für Hobel geeignetste Holz ist und von ihr ausschließlich verwendet wird.

Als Lieferanten der Hobeleisen werden die Firmen Arns, Busch (Jacob Busch oder Gebr. Busch?), und Goldenberg angegeben, sowie LW (das bedeutet wohl Eisen aus eigener Produktion?).

1930

1930 erscheint der "Schultechnische Ratgeber für die Einrichtung von Holzbearbeitungswerkstätten". Das ist nichts weiter als ein normaler Katalog, der aber kurze Artikel über Werkzeug und seine Pflege (wie diesen Artikel zum Schärfen von Hobeleisen) enthält und auch auf die Einrichtung von Werkstätten eingeht. In diesem Katalog wird erstmals der "Original Apo-Hobel" (Vermutung: steht für Apfelholz poliert) vorgestellt, dessen Körper aus Apfelbaumholz besteht mit einer aufgeleimten Sohle aus Weißbuche (Warenzeichenanmeldungen von 1930 und 1931). Weiteres Kennzeichen ist das neue Keilwiderlager nach dem Patent DE539935 (siehe Artikel dazu) und die auf dessen beiden Enden aufgebrachte "Silbermarke" (das Firmenzeichen). Eine Neuerung stellt der im oberen Bereich vom Eisen abstehende Keil dar, wodurch "auch bei kurz geschliffenem Eisen leichtes Nachstellen" ermöglicht wird.

1933

Die 1927 gemachte Aussage, daß nur Weißbuche für den Hobelbau geeignet sei, wird schon in dem Katalog von 1933 auf Rotbuche erweitert. Hier erscheinen dann auch die ersten Fausthobel in Rotbuche mit aufgeleimter Weißbuchensohle. Daneben wird eine neue Linie von einfacheren Hobeln vorgestellt unter dem Namen "Haho" (Haushalt-Hobel), die ganz aus Rotbuche gefertigt sind.

Ebenfalls in diesem Katalog stellt die Laupheimer Werkzeugfabrik eine neue Hobelform vor, die als "Steiner-Form 1933" bezeichnet wird. Der Unterschied zu den anderen Modellen besteht in einer abgesenkten Partie im vorderen Bereich zwischen Nase und Spanloch. Der obere Rand des Spanlochs weist außerdem seitlich je eine Kerbe auf. Ein Grund für diese Neuerung wird nicht angegeben, sie ist also wohl rein dekorativ. Ich habe einen solchen Hobel außer in diesem Katalog noch nie gesehen. Offensichtlich fand diese Form wenig Anklang, denn in dem nächsten mir bekannten Katalog von 1937 ist sie nicht mehr enthalten.

1937

Auch der Apo-Hobel kommt in dem 1937er Katalog nicht mehr vor. Einzig der Reformputzhobel besteht aus Apfelholz mit Pockholzsohle. Diese Hobelform nach dem Vorbild des "Ulmer Reformhobels" gibt es von mehreren Herstellern, z. B. auch von Esslinger & Abt (E & A-Reformputzhobel).

Als neue Linie kommt jetzt der "Meister-Hobel" hinzu "aus bestem Rotbuchenholz mit starker Sohle aus zähharter Weißbuche mit dem idealen, patentierten Keilwiderlager". Der oben abstehende Keil hat neben der charakteristischen Kerbe eine runde Aussparung am unteren Ende, um das Festhalten des Eisens beim Einstellen zu erleichtern. Weiterhin gibt es den Haho-Hobel ohne und mit Handschoner aus Rotbuche und mit Schutzlackierung. Alle anderen Hobelarten sind nach wie vor aus Weißbuche.

In dem 1937er Katalog haben alle Fausthobel auf den Seiten jeweile eine ausgeprägte Zierlinie (Hohlkehlennut). Wann diese Linie zum ersten Mal auftritt, kann ich nicht sagen. In späteren Jahren wird diese Nut durch zwei schmale Linien ersetzt, wie man sie auch bei vielen anderen Herstellern findet.

Zur Form des Handschoners ist noch zu bemerken, daß dieser aus einem dreieckigen Holzklotz besteht, der hinten eine doppelt gerundete Kerbe (konkav in senkrechter Richtung, konvex in waagrechter) für die schiebende Hand aufweist. Im Unterschied dazu sind z. B. die Handschoner von E. C. Emmerich gedrechselte Rundlinge.


Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015