Wolfgang Jordan
HOLZBEARBEITUNG MIT HANDWERKZEUGEN

Schärfen und Schränken einer Handsäge

Nur scharfes Werkzeug ist gutes Werkzeug

Diese Überschrift habe ich aus meinem Artikel über das Schärfen von Hobeleisen und Stechbeiteln übernommen, weil sie auf Sägen ebenfalls zutrifft. Wer schon einmal versucht hat, mit einer neu gekauften Säge (japanische ausgenommen) zurechtzukommen, wird wahrscheinlich davon genauso frustriert gewesen sein wie ich. Ich glaube sogar, daß ein Teil der Begeisterung über die japanischen Sägen darauf zurückzuführen ist, daß diese bereits gebrauchsfertig verkauft werden und nicht als "Sägenbausatz".

In meiner Vor-Holzwerker-Zeit hatte ich nur einige Feinsägen für kleinere Arbeiten wie das Ablängen von Leisten und kleine Gehrungen für Bilderrahmen. Das ging damit auch mehr schlecht als recht, aber die Sägen endeten schließlich verrostet in irgendeiner Kiste, einfach weil mir das Wissen um ihre Wartung fehlte. Wenn ich heute Sägen auf dem Flohmarkt finde, habe ich den Eindruck, daß es ihren früheren Besitzern nicht anders ging. Dabei ist das Instandhalten und Schärfen einer Säge nicht wirklich schwierig. Und mit einer guten Säge zu arbeiten macht einfach Spaß und kann, wie das bloße "Verhobeln" eines Brettes, durchaus manchmal zum Selbstzweck werden.

Meine Erfahrungen mit dem Schärfen von Sägen sind noch sehr gering, aber so ermutigend, daß ich gerne davon berichten will. Ich gehe bei dieser Beschreibung davon aus, daß wir es mit einem unbeschädigten Sägeblatt zu tun haben, das also weder verrostet noch geknickt oder wellig ist. Das heißt nicht, daß ein Flohmarktfund deswegen wertlos wäre, aber auf Fragen der Restaurierung will ich später einmal an anderer Stelle eingehen.

Begriffserklärung:

Benötigte Werkzeuge:

Bevor wir beginnen

Wichtig für diese Arbeit ist eine gute Beleuchtung und bequeme Haltung. Wenn das Licht von vorne kommt, sieht man an den Reflexen auf den Spitzen der Zähne, ob das Blatt schon scharf ist. Für ein entspanntes Arbeiten sorgt ein (am besten verstellbarer) Hocker in der richtigen Höhe.

Quer- oder Längsschnitt?

Amerikanische Holzwerker machen zwischen Sägen für Quer- und Längsschnitte einen deutlichen Unterschied. Sägen für Schnitte längs zur Faser (Schlitzsäge; 'rip cut') erhalten eine andere Zahnform als Absetzsägen ('cross cut'). Zu der Frage, ob und wie sehr diese Unterscheidung bei uns eine Rolle gespielt hat, habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben. Ich will hier zunächst nur die einfachere Art des Schärfens beschreiben, die die Zahnform für Längsschnitte optimiert. Natürlich kann man mit einer so hergerichteten Säge auch Querschnitte machen, die dann aber (vor allem in Weichholz) nicht so sauber werden.

Arbeitsschritte

Welche der folgenden Arbeitsschritte ausgeführt werden müssen, hängt vom Zustand der Säge ab. Ein gut gepflegtes Sägeblatt braucht, wenn es stumpf geworden bist, nur leicht geschärft werden. Verläuft die Säge, klemmt sie bei zunehmender Schnittiefe oder ist der Schnitt zu breit, muß das Blatt zuerst neu geschränkt werden. Dazu wird eventuell vorher die bisherige Schränkung mit einem Holzhammer auf einer Unterlage aus Hartholz zurückgeschlagen. Das Abrichten als erster Schritt wird nur gelegentlich durchgeführt, um zu verhindern, daß die Zähne ungleich hoch stehen. Auch bei gebraucht gekauften Sägen wird das im Allgemeinen nötig sein.

Abrichten

Wenn die Zahnlinie, also die Verbindungslinie der Zahnspitzen nicht gerade ist, muß das Blatt zuerst abgerichtet werden. Dazu fährt man einige Male mit der Flachfeile über die Zahnlinie, bis alle Zähne die gleiche Höhe haben. Ob man so weit ist, sieht man an den Reflexen auf den Zahnspitzen. Jeder Zahn sollte mindestens einen kleinen Lichtpunkt zeigen, der dann beim Schärfen wieder entfernt wird. Wenn ein Blatt stark unregelmäßige Zähne aufweist, muß man nach dem Abrichten erst die ursprüngliche Zahnform wiederherstellen, bevor man die Säge schränkt und dann schärft.

Schränken

Vor dem Schärfen müssen die Zähne geschränkt werden. Wenn der vorhandene Schrank in Ordnung war und die Säge nur leicht geschärft werden muß, kann dieser Schritt ausgelassen werden. Um die erforderliche Genauigkeit einzuhalten, empfiehlt sich die Benutzung einer Schränkzange. Die Zähne dürfen nicht in ihrer gesamten Länge umgebogen werden, sonst können sie abbrechen oder der Zahngrund aufreißen. Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen einem und zwei Dritteln der Zahnhöhe. Die Schrankweite ergibt sich aus dem Verwendungszweck der Säge und darf die Zahndicke nicht überschreiten.

Schärfen

Man beginnt mit dem Schärfen am vorderen Ende des Sägeblattes und arbeitet sich zum Handgriff vor (also entgegen der Schneidrichtung). Die Feile wird in eine Zahnlücke eingelegt; dabei darauf achten, daß der vorhandene Schnittwinkel (Stoß) eingehalten wird. Falls das Blatt durch frühere Behandlungen ruiniert wurde oder ein anderer Stoß gewünscht wird, muß natürlich die Feile den Winkel vorgeben.

Jeder Zahn erhält die gleiche Anzahl von Feilstrichen. Die Feile greift nur bei der Vorwärtsbewegung und wird beim Zurückziehen leicht angehoben. Wenn die Zähne ungleiche Höhe aufweisen, übt man in die Richtung des höheren Zahns mehr Druck aus, um diesen stärker zurückzunehmen. Wenn keine der Zahnspitzen mehr Licht reflektiert, ist man mit dem Schärfen fertig.

Fertig!

Fehler und ihre Ursachen

Weiterführende Links:
deutsch Das Schärfen von Handsägen, die ultimative Anleitung von Friedrich Kollenrott
deutsch Schärfen und Schränken von Sägeblättern (aus dem Katalog von "Feine Werkzeuge")
english Saw Filing--A Beginner's Primer

Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 02. September 2018