Wolfgang Jordan
HOLZBEARBEITUNG MIT HANDWERKZEUGEN

Kopie eines Artikels aus
"Der Hobel, Zeitschrift für die Lehrlinge des Holzgewerbes"
Heft Nr. 11, Februar 1934


Der Hobel

Von Gewerbeoberlehrer K. Krechberger, Kiel.

Jeder Hobel, gleich welcher Art, besteht aus drei Hauptteilen: dem Hobelkasten, dem Hobeleisen und der zur Befestigung des Letzteren dienenden Einspannvorrichtung. Der Hobelkasten wird meist aus Weißbuche, einem außerordentlich harten und festen Material hergestellt, jedoch findet man auch zuweilen Weißdorn sowie das Holz unserer einheimischen Obstbäume, die aber bei weitem nicht jene Härte aufweisen, wie sie der Weißbuche eigen ist und deshalb auch einer rascheren Abnutzung unterworfen sind. Diesem Mangel an Härte wird dann in der Regel dadurch abgeholfen, daß der der Abnutzung am stärksten ausgesetzte Teil des Hobelkastens, die Sohle, mit einer etwa 10 bis 15 mm starken Dickte aus Weißbuche oder Pockholz versehen wird. Das Letztere hat sich für diesen Zweck als besonders brauchbar erwiesen, und zwar nicht nur wegen seiner besonderen Härte, sondern auch wegen seines Gehaltes an fettigen Bestandteilen, die beim Gebrauch eine gewisse schmierende Funktion übernehmen. Bei Verwendung dieses Holzes als Sohle ist man jedoch gezwungen, besondere Hilfskonstruktionen zur Anwendung zu bringen, da Leimen allein, auch bei sorgfältiger Ausführung, infolge des schon erwähnten Fettgehaltes vom Pockholz nicht genügt.

Wird Weißbuche allein verwendet, so ist auf sorgfältige Auswahl des Holzes Wert zu legen und auf die richtige Lage der Markstrahlen zur Sohle zu achten. Kernholz ist am besten geeignet. Die Markstrahlen sollen hierbei so verlaufen, daß sie sich in einem Punkte, der unterhalb der Sohle liegen könnte, treffen. Mit anderen Worten: das der Stammitte am nächsten gelegene, älteste und härteste Holz soll als Hobelsohle dienen.

Neben der Nase, die eingegratet wird und sich in der Form der Hand anzupassen hat, erhält der Hobelkasten das sogenannte Spanloch, welches Raum für den losgelösten Span gewähren muß und zur Aufnahme des spanlösenden Hobeleisens bestimmt ist. Letzteres liegt bei einem großen Teil aller Hobel in einem Winkel von 45 Grad zur Sohle. Diese Neigung hat sich in der Praxis als brauchbar herausgestellt, und zwar nicht nur bezüglich des Kraftaufwandes, sondern auch bezüglich der Sauberkeit der zu leistenden Arbeit. Wird der Winkel kleiner gehalten, so ist wohl ein geringerer Kraftaufwand zur Fortbewegung des Hobels nötig, jedoch auch ein geringerer Grad von Sauberkeit zu verbuchen. Ist der Winkel größer, so ist das entsprechende Gegenresultat zu verzeichnen. Im allgemeinen werden Doppelhobel, Schlichthobel und Rauhbank mit einem Winkel von 45 Grad hergestellt, während man dem Putzhobel einen solchen von 47 bis 48 Grad gibt, da von ihm sauberste Arbeit verlangt wird und hier auch kein größerer Kraftaufwand nötig ist, da nur feinste Späne abgenommen werden. Unter einen Winkel von 45 Grad geht man beim sogenannten Hirnholzhobel, das ist ein Werkzeug, welches ausschließlich zum Bestoßen von Hirnholzkanten benutzt wird und sich hierbei als sehr brauchbar erwiesen hat.

Aufbau eines Hobels

Neben der Winkellage des Eisens ist die Größe des Maules (d. i. die an der Sohle gelegene Oeffnung des Spanloches) von Einfluß auf die Sauberkeit der Arbeit. Es gilt hier der Grundsatz, daß die Oeffnung nur so groß sein darf als zum Durchgleiten des Spanes eben notwendig ist. Mit anderen Worten: Der Schlichthobel darf zwischen Schneidkante des Eisens und Vorderkante des Maules eine größere Oeffnung aufweisen als der Doppelhobel, mit welchem schon feinere Späne abgenommen werden. Das Gleiche ist zwischen Doppelhobel und Putzhobel der Fall, welch Letzterer ja nur feinste Späne zu lösen hat und deshalb auch mit einer winzigen Oeffnung, die in keinem Fall 1 mm zu überschreiten braucht, auskommt.

Neben der Winkellage und der Maulgröße ist die Form des Eisens ein Faktor, der nicht nur die Sauberkeit der vom Hobel geleisteten Arbeit bestimmend beeinflußt, sondern auch die Form der ausgeworfenen Späne bestimmt und so hindernd oder fördernd auf den Fortgang der Arbeit einwirkt. Die ursprünglichste Form des Hobeleisens war die des auch heute noch gebräuchlichen Schlichteisens. Löst man mit seiner Hilfe von einem schlichten Stück Holz einen Span los, so passiert er das Spanloch, um sich dann nach vorne zu kräuseln. Nicht selten kommt es hierbei vor, daß der in seiner Länge nicht unterbrochene Span sich unter den Hobel setzt, von Neuem durch das Maul in das Spanloch gelangt, meist den Hobel verstopft und so den Fortgang des Arbeitsprozesses unliebsam unterbricht. Dieser Uebelstand mag wohl einen findigen Kopf zum Nachdenken veranlaßt und bestimmt haben, Versuche anzustellen, wie dem Uebel zu steuern sei. Aus Erfahrung wußte er wohl, daß, wenn man einen Hobelspan (oder Papierstreifen) über eine scharfe Kante zieht, er sich dann nach jener Seite krümmt, auf der die Reibung erfolgte. Dieser Schlaukopf hat dann wohl diese Erfahrung für seinen Hobel ausgenutzt und an ihm eine Vorrichtung angebracht, an der sich der eben losgelöste und nach vorn sich rollende Span reiben mußte. Und diese Vorrichtung war die Klappe des sogenannten Doppelhobels. Durch sie wurde die sonst nach vorn erfolgende Krümmung nicht nur ausgeglichen, sondern in das Gegenteil verwandelt. Der Span stieg fast senkrecht in die Höhe, kräuselte sich am Ende ein klein wenig und verließ das Spanloch des Hobels nach rückwärts. Das Problem war gelöst. Der Hobel ging wohl etwas schwerer, d. h. zu seiner Fortbewegung war ein größerer Kraftaufwand notwendig, was ja insofern verständlich erscheint als jetzt nicht nur eine Reibungskante, sondern deren zwei (die Vorderkante des Maules und die untere Kante der Klappe) vorhanden waren und überwunden werden mußten, die Reibung als eine größere war. Aber wie so oftmals im Leben, man sucht das eine und findet noch ein anderes dazu, so auch hier. Die nunmehr auf dem Schlichteisen angebrachte Klappe erfüllte ihren Zweck nicht allein als Spankrümmer, sondern wurde auch Spanbrecher, d. h. sie brach den Span im Augenblick des Entstehens und verhütete so, besonders bei wiederspänigem Holz ein Einreisen in der Richtung der Holzfaser. Der Erfolg nach dieser Richtung ist um so vollkommener, je kleiner das Maul bzw. die Oeffnung zwischen Eisen und Vorderkante der Spanlochöffnung ist.

Aus dem eben Gesagten geht wohl mit aller Deutlichkeit hervor, daß weder die Klappe, noch ein kleines Maul allein imstande ist, eine im Sinne echter Tischlerkunst vollkommene Arbeit zu leisten, sondern daß beide Faktoren zusammenwirken müssen, um den höchsten Grad der Sauberkeit einer zu putzenden Fläche zu erreichen.

Wie muß nun eine solche Klappe beschaffen sein, daß sie den ihr zugedachten Zweck restlos erfüllt? Zunächst dürfte vollständige Klarheit darüber bestehen, daß die Klappe mit ihrer unteren Kante fugendicht auf der polierten Seite des Hobeleisens aufliegen muß, damit auch nicht der feinste Span zwischen beide Teile gelangen und so ein Stopfen des Hobels herbeiführen kann. Des Weiteren muß die untere Kante der Klappe so ausgebildet sein, wie Abb. 2 es zeigt. In dieser Form zwingt sie den Span, sich zu brechen und so ein weiteres Einreißen zu verhindern, zum andern bietet sie ihm die Möglichkeit, sich an der scharfen Kante zu reiben und nach rückwärts zu krümmen. Dieses Aufpassen der Klappe muß mit größter Sorgfalt vorgenommen werden. Es genügt nicht, daß die Kante nur gefeilt ist, sie muß vielmehr auf dem Abziehstein in sauberster Weise poliert werden, um die durch das Vorbeigleiten des Spanes erzeugte Reibung auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Der Abstand der unteren Klappenkante von der Schneide des Eisens soll so gering wie möglich sein und in keinem Falle mehr als 1/2 mm betragen, da sie sonst den ihr zugedachten Zweck nicht mehr oder doch nur unvollkommen erfüllen kann.

Auf die Güte des Eisens hat der Tischler in der Regel keinen Einfluß. Immerhin ist es hier zweckmäßig, sich die Fabrikmarke eines als "Gut" erkannten Eisens zu merken, um bei Neuanschaffung eines solchen auf dasselbe Fabrikat zurückgreifen zu können. Das Eisen soll weder zu weich noch zu hart sein. Ist es zu weich, so legt es sich um und schneidet nicht mehr, ist es zu hart, so bricht es aus und muß von Neuem geschliffen werden. In beiden Fällen ist es ratsam, das Eisen neu härten zu lassen, eine Tätigkeit, die vollkommen nur vom Fachmann (Werkzeugschlosser) erledigt werden kann. Oftmals besitzt das Eisen die richtige Härte und wird nur durch die Gedankenlosigkeit des Verbrauchers beim Schleifen unbrauchbar, zu hart oder zu weich gemacht. Sofern Sandstein oder Rutscher zum Schleifen benutzt werden, besteht keine Gefahr nach dieser Richtung, da dieselben stets Wasserkühlung haben. Benutzt der Tischler hingegen die hochtourigen Schmirgelscheiben, so ist 1000 gegen 1 zu wetten, daß nach der einen oder anderen Seite das Hobeleisen leidet. Letzteres wird bekanntlich durch den Trockenschliff, der bei den Schmirgelscheiben meist üblich ist, sehr stark erhitzt. Läßt man dieses erhitzte (blau angelaufene) Eisen auf natürliche Art und Weise erkalten, so tritt eine Erweichung desselben ein. Nach erstmaligem Gebrauch wird sich die Schneide umlegen und damit der Hobel seinen Dienst versagen. Kühlt man jedoch das brennend heiß gewordene Eisen in einem zufällig bereitstehenden Wassertopf ab, so ist eine übermäßige Erhärtung desselben die Folge dieser nur als Gedankenlosigkeit zu bezeichnenden Handlung. In beiden Fällen ist das Eisen unbrauchbar geworden.

Doch nun noch ein Wort zum Anschleifen der Fase. Auch hier wogt der Streit der Meinungen hin und her. Die einen sind Befürworter einer schlanken Fase und ziehen mit Vorliebe als "Beweis" das Rasiermesser heran, während die anderen der Fase den Vorzug geben, deren Winkel nur einige Grad geringer ist als der Neigungswinkel des Eisens zur Sohle, also etwa 40 bis 42 Grad.

Zunächst mag bemerkt werden, daß der Vergleich mit dem Rasiermesser wohl nicht ganz angebracht ist. Rasiermesser und Hobel sind zwei ganz verschiedene Werkzeuge. Der erste dient zum Abschneiden hervorstehender Teile (Haare) und ist mehr unserer Säge vergleichbar (in Wirklichkeit ist das Rasiermesser auch eine Säge, man betrachte sie unter dem Mikroskop), während unser Hobel mehr ein Werkzeug zum Glätten ist und in ganz anderer Weise gebraucht wird als das Rasiermesser. Dieser Vergleich hinkt also. Nebenbei gesagt, daß das Hobeleisen, wenn es eine schlank angeschliffene Fase hat, alle Kennzeichen mangelhafter Härte in verstärktem Maße, ist also nur anwendbar, wo einwandfrei gehärtete Eisen vorliegen. Der Grund für die Vorliebe einer schlank angeschliffenen Fase wird aber verständlich, wenn man weiß, daß ein derartiges Eisen weniger oft geschliffen zu werden braucht und seine Schneidfähigkeit auf einem verhältnismäßig groben Abziehstein schneller wieder hergestellt werden kann als durch Schleifen auf dem Schleifstein. Das ist und kann nur der einzig wahre Grund für die Vorliebe zur schlanken Fase sein. Damit ist aber auch gleichzeitig der Beweis erbracht, daß sie nicht das Richtige sein kann, denn sie, die schlanke Fase besteht nur so lange, als die Schnittfähigkeit nach dem ersten Schliff auf dem Schleifstein aushält. Mit dem zweiten Abziehen auf dem Abziehstein, ist der schlanken Fase schon das Totenlied gesungen; sie hat sich, wenn auch nur auf ganz geringe Breite in eine stumpfe (40-Grad-)Fase verwandelt. Aber auch rein technologisch gedacht und betrachtet, kann die schlanke Fase nicht richtig sein. Jeder Tischler weiß z. B., daß er ein Stecheisen mit einer schlanken Fase in einen anderen Winkel zum Material halten muß als ein solches mit einer stumpfen Fase. Daraus geht unzweifelhaft hervor, daß mit der jeweiligen Schräge der Fase der Neigungswinkel sich ändern muß. Das ist beim Hobeleisen infolge seiner stationären Lage ausgeschlossen und deshalb bedeutet eine mehr als unbedingt nötig schräge Fase eine relative Erhöhung des Winkels der Lagerfläche vom Eisen und somit eine Erhöhung der Kraftanstrengung beim Hobeln.

Ein weiterer sehr wichtiger und in seiner Funktion nicht zu unterschätzender Teil des Hobels ist der Keil. Er darf weder zu steil noch zu flach ausgebildet sein. Im ersten Fall lockert er sich, sobald der Hobel gegen eine harte Stelle (Ast u. dgl.) stößt, bei zu flacher Ausbildung übt er einen zu starken Druck gegen die Nasen im Spanloch aus und sprengt dieselben ab. Eine Neigung von 8 bis 10 Grad hat sich als brauchbar erwiesen. In seinem unteren Teil muß der Keil so ausgebildet sein, daß er im Spanloch nirgends hervorsteht oder eine Ecke bildet, an der sich der Span stoßen und so die Veranlassung zu einem Stopfen des Hobels werden kann. Die obere dicke Endung des Keiles wird zweckmäßigerweise etwas abgerundet, um den zum Festkeilen benutzten Hammer nur einen Angriffspunkt zu bieten und so ein Absplittern gewisser Teile vom Keil zu vermeiden.

Aus den vorstehenden Ausführungen dürfte wohl mit aller Deutlichkeit hervorgehen, daß der Hobel mehr ist als ein Werkzeug, das aus zwei Holzstücken und einem Eisen hergestellt ist. Es ist vielmehr ein Werkzeug, welches gewissermaßen eine "Seele" besitzt, die man nur dann richtig verstehen und kennenlernen kann, wenn man sich ganz intensiv mit ihr befaßt und versucht, einem Stück Weißbuchenholz solch eine Seele einzublasen, einen Hobel zu bauen, und zwar so zu bauen, wie man glaubt, es von einem gekauften Hobel verlangen zu können. Ein jeder junge Tischler müßte neben seinem Gesellenstück zur Herstellung eines Hobels verpflichtet werden und mit ihm sein Gesellenstück herstellen müssen.

Nun ist aber nicht jeder gekaufte Hobel in einem Zustande, daß er ohne weiteres gebraucht werden kann. Zumeist werden diese Werkzeuge infolge ihrer Billigkeit roh bezogen. Legt man Wert drauf, daß er längere Zeit gebrauchsfähig bleibt und sich nicht verzieht, so wird man guttun, ihn innerlich zu ölen und äußerlich mit einem Schutzüberzug zu versehen, so daß er gegen Temperaturschwankungen unempfindlich wird. Um den Hobel durch und durch ölen zu können, schließt man das Maul durch Aufleimen eines kräftigen Absperrfuniers, gießt dann (am besten heißes) Leinöl in das Spanloch und läßt dasselbe solange darin stehen, bis es an den Hirnenden des Hobels ausschwitzt. Der Rest wird zurückgegossen, der Hobel einige Tage der Trocknung überlassen und hierauf derselbe mehrmals mit Politur getränkt. Nachdem das Maul wieder freigelegt ist, keilt man das Eisen ein, um nun die Hobelsohle fein säuberlich abzurichten. Das geschieht jedoch nicht mit der Rauhbank, sondern mit Hilfe eines Bogens Glaspapier, welcher mit einer entsprechend langen Leiste auf den Tisch des Abrichters festgespannt wird. Auf dieser ebenen Unterlage wird der Hobel solange hin- und herbewegt, bis seine Sohle durch das Glaspapier vollständig matt geschliffen ist und keine blanke Stelle mehr zeigt. In gleicher Weise verfährt man, wenn sich der Hobel nach längerem Gebrauche vor dem Maul abgenutzt haben sollte. Auch der Spezialschleifapparat "Ulmia" (Abb. 3) eignet sich vorzüglich für diesen Zweck. Das Abrichten mit der Rauhbank ist nur im äußersten Falle, also bei sehr starker Abnutzung des Hobels vorzunehmen, da hierdurch der Hobelkasten stark angegriffen und das Maul erheblich vergrößert wird.

Schleifapparat "Ulmia"

Ist Letzteres durch die Abnutzung zu groß geworden, so muß entweder ein Spund eingesetzt oder eine neue Sohle untergeleimt und dadurch das Maul wieder auf seine normale Größe gebracht werden. Das zum Spund verwendete Material soll möglichst die gleiche Härte aufweisen als der Hobelkasten. Wird härteres Material (Knochen u. dgl.) enommen, so ist die Abnutzung vor dem Maul wohl eine geringere, aber die Hobelsohle wird rund, d. h. die übrige Fläche nutzt sich schneller ab als der Spund. Um eine Abnutzung der Hobelsohle so gut wie aufzuheben, hat man den Versuch gemacht, sie mit Eisen bzw. Stahl zu belegen. Wenn auch hin und wieder ein solcher Hobel in den einzelnen Werkstätten anzutreffen ist, steht doch im allgemeinen der Holzarbeiter ihm unsympathisch gegenüber und benutzt, wenn er die Wahl hat, lieber den Hobel mit der Holzsohle.

Die Verkleinerung des Maules durch Einsetzen eines Spundes bzw. durch Unterleimen einer Sohle ist eine Tätigkeit, die einen immerhin erheblichen Aufwand an Zeit und Material erfordert. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, daß der praktisch veranlagte Tischler auf Mittel und Wege sann, diesem Uebel abzuhelfen. Auf mannigfache Art ist von diesem und jenem eine Lösung versucht worden, in idealer Weise jedoch verkörpert im sogenannten "Ulmer Putzhobel" (Abb. 4). Der am stärksten sich abnutzende Teil besteht bei diesem Hobel aus dem besten für diese Zwecke zur Verfügung stehenden Holze, aus Pockholz. Der Spund ist so eingesetzt, daß er bei Bedarf gelöst und nach dem Eisen zu verstellt werden kann, auf diese Weise eine Verkleinerung des Maules bewirkend. Die bei diesem Hobel angewendete Hilfskonstruktion zur Herstellung einer besseren Verbindung zwischen Sohle und Hobelkasten ist hier in geschickter Weise zu einer dekorativ wirkenden Linie ausgenutzt worden.

Putzhobel "Ulmia"

Es sind aber nicht die einzigen Vorzüge dieses Hobels. Ein jeder Tischler wird es sicherlich bei seinem Hobel als Uebelstand empfunden haben, daß schon nach kurzer Zeit die Rückseite desselben durch das Klopfen mit dem Hammer verbeult war und so dem Aussehen desselben Abbruch tat. Dieser Nachteil wird bei dem genannten Hobel durch einen Hirnholzknopf auf seiner Rückseite vermieden.

Der dem Fachmann am stärksten in die Augen springende Vorzug besteht jedoch in der besonders gearteten Einspannvorrichtung für das Hobeleisen. Der Keil hat bekanntlich den sehr großen Nachteil, daß er den Hobel, insbesondere die Rauhbank in seiner Längsrichtung durch die von ihm ausgehende Kraft verzieht. Auch das hinter dem Maul an der Sohle liegende dünne Holz treibt er heraus, weshalb der Tischler gezwungen ist, beim Abrichten eines Hobels das Eisen eingekeilt zu lassen. Diese Nachteile werden durch die an diesem Hobel angebrachte Einrichtung vermieden. Das Eisen wird hier durch einen eisernen Keil gehalten, der seinerseits Widerstand an einer Schraube findet und so das Eisen festklemmt.

Eine weitere Verbesserung ist neuerdings dadurch zustandegekommen, daß der Hobel hinter dem Eisen einen handlichen Klotz erhalten hat, der es gestattet, die volle Kraft der rechten Hand beim Hobeln auswirken zu lassen. Diese Verbesserung wird besonders unseren Jüngsten willkommen sein, die in den ersten Tagen ihrer begonnenen Laufbahn sehr stark unter Verletzungen der rechten Hand zu leiden haben. Alles in Allem ist das eben beschriebene Werkzeug ein Hobel der das Vollkommenste auf diesem Gebiet darstellt.

Auch der "Ulmia Fausthobel" ist ein Werkzeug, welches seitens des Tischlers größte Beachtung verdient. (Abb. 5 u. 6).

Ulmia-Hobel

Ulmia-Hobel


Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015