Wolfgang Jordan
KLEINES WERKZEUGMUSEUM

Werkzeughersteller und -händler

Marke Andreas Sedlmayr, München

Andreas Sedlmayr, München

Firmengeschichte

Vorbemerkung: Der Name Sedlmayr erscheint in den Quellen in vielen verschiedenen Schreibweisen. Soweit aus Quellen zitiert wird, habe ich die jeweils dort benutzte Schreibweise beibehalten. Die korrekte Schreibweise "Sedlmayr" ergibt sich aus Anzeigen der Firma und Beschriftungen auf Werkzeug.

In einem Münchner Adressverzeichnis von 1803 wurde der Feilenhauer Sedlmair in der Oberen Angergasse 267 erwähnt. 1) 1818 war seine Adresse "Sedlmayer, Andreas, Feilen-Hauer und Zeug-Schmied-Meister" in der Unteren Anger-Strasse 805. 2)

In der "Münchener Politischen Zeitung" (16.7.1812) veröffentlichte "Andreas Sedlmayr, bürgerl. Feilenhauer" die folgende Bekanntmachung: 3)
"Mit gnädigster Bewilligung der königl. Polizey-Direktion habe ich eine Niederlage von Eisen- und Stahlwerkzeugen für alle Künstler und Professionisten, vorzüglich auch für Uhrmacher, errichtet. Dieses mache ich mit dem Anhange bekannt, daß die gefälligen Abnehmer alle Artikel von besonderer Schönheit und Güte, so wie die billigsten Preise finden werden.
In der Dult habe ich meine Boutike am Promenadeplatze dem Kalteneckerbräuer gegenüber Nro. 3; sonst in meiner eigenen Behausung am Anger Nro. 215."

Ein Münchner Adressbuch von 1820 nannte als Eigentümer des Hauses 805 den Feilenhauer Anton Sedelmaier. 4) Nach diesem Verzeichnis entsprach die neue Hausnummer 805 der Nummer 215 nach der alten Nummerierung. Ab 1834 erscheint in den Quellen die Adresse "Unterer Anger 24", die vermutlich dasselbe Haus bezeichnet.

Im "Kunst- und Gewerbeblatt" 5) wurden mehrere Sammlungen von Werkzeugen aller Art des Andreas Sedelmayer aufgezählt, die dieser auf der Ausstellung der Kunst- und Gewerbsprodukte am 19.12.1821 zeigte. Bis auf eine Ausnahme seien alle diese Werkzeuge von Sedelmayers Sohn (Andreas jun.) verfertigt worden.

Auf einer Industrieausstellung in München im November 1834 zeigte Andreas Sedlmayr eine Auswahl seiner Werkzeuge, darunter "2 Schraubstöcke, eine Schneidekluppe, ein Pferd=Aderlaßschnäpper, eine Schneide= oder Blechscheere, 19 Stück verschiedene Feilen, 6 Stücke verschiedene Raspeln" 6) und bekam dafür eine Silbermedaille.

Am 7. Dezember 1836 starb Andreas Sedlmayr im Alter von 72 Jahren. 7) Sein Sohn Andreas Sedlmayr, ebenfalls bürgerlicher Feilenhauer, übernahm das väterliche Geschäft.

Die "Neue Münchener Zeitung" (1851) schrieb in einem Bericht über eine Industrie-Ausstellung für Oberbayern, daß Andreas Sedlmayer dort Schlagstempel für die Herstellung von künstlichen Blumen ausgestellt habe und damit deren Produktion bedeutend erleichtert werde. Weiter seien "sehr vortheilhafte" Feilenhauerarbeiten zu sehen gewesen. "Einige von demselben Meister ausgestellte Hobel von verschiedener Größe und Qualität lassen sich weniger vom bloßen Ansehen beurtheilen, werden aber von Fachleuten, die Werkzeuge aus dieser Werkstätte beziehen, ungemein gerühmt, und finden allgemeine Anerkennung." 8)

Die Produktion von Hobeln scheint also um 1850 begonnen worden zu sein, wie man auch aus der folgenden Anzeige entnehmen kann:

Anzeige Andreas Sedlmayr, 1852
Anzeige 1852 9)

Um 1860 zog Sedlmayr um an den unteren Anger Nr. 20. Verschiedene Anzeigen aus den folgenden Jahren zeigen die Bandbreite der Waren und Erzeugnisse der "Werkzeug- und Geschmeidewaarenhandlung" bzw. "Werkzeug-Fabrik": "Strohmesser, Wiegsägen" (1869), "Meterstäbe, Grammgewichte, Waagen" (1870), "Krauthöbel" (1870), "Bedarfsartikel für Vervielfältigungszwecke" (1884)

Wie lange die Firma existierte ist nicht bekannt. Eine Anzeige in einem 1932 erschienenen Buch nannte die Firma Sedlmayr den "ältesten Lieferanten der Benediktiner-Missionen". Sie lieferte damals "Werkzeuge für alle Gewerbe" sowie "Werkzeugmaschinen aller Art" und unterhielt eine "eigene Werkstätte für Spezialanfertigungen".

Werkzeuge

An Werkzeugen sind bisher nur bekannt ein Nummerierschlägel 10), von dem der Firmenstempel im Kopf dieser Seite stammt. Mehr Abbildungen von diesem Nummerierschlägel findet man in der Sammlung von Jochen Wiedenmann.

Quellen und Referenzen

1) "Verzeichnis der sämmtlichen Hausbesitzer der Stadt und ihres Burgfriedens" (München, 1803) [Google Buchsuche]
2) "Handels- und Gewerbs-Addreß-Taschenbuch der Königl.-Baierischen Haupt- und Residenzstadt München" (1818) [Google Buchsuche]
3) "Münchener Politischen Zeitung" (1812) [Google Buchsuche]
4) "München im Jahre 1819" (1820) [Google Buchsuche]
5) "Kunst- und Gewerbeblatt" (1821) [Google Buchsuche]
6) "Ueber die im November 1834 zu München gehaltene Industrieausstellung" [Polytechnisches Journal, 1834]
7) Anzeige in der "Bayer'schen Landbötin" Nro. 148 vom 10. Dezember 1936 [Google Buchsuche]
8) "Neue Münchener Zeitung" (1851) [Google Buchsuche]
9) "Der Bayerische Landbote" (1852) [Google Buchsuche]
10) Sammlung Jochen Wiedenmann

Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015