Wolfgang Jordan
HOLZBEARBEITUNG MIT HANDWERKZEUGEN

Werkzeug: Sägen

Kopie eines Artikels aus "der deutsche bau- und möbelschreiner"
Heft 9, September 1967
Beilage 'Der junge Schreiner'


Die Sägen (l. Lehrjahr)

Zweiter Teil (Heft 11, 1967)

Zum Bankwerkzeug des Tischlers gehören auch eine Reihe von Sägen, die in ihrer Bauart sehr verschieden sind. Im allgemeinen unterscheidet man: Gespannte Sägen und ungespannte Sägen. Diese Bezeichnung bezieht sich aber nur auf die äußere Bauart der Sägen, das heißt, ob ein Sägeblatt in ein Gestell eingespannt ist, oder frei geführt wird. Jedes Sägeblatt muß über eine eigene innere Spannung verfügen, damit es beim Sägen die ausreichende Festigkeit besitzt und beim Arbeiten nicht flattert oder verläuft.

1.0 Die gespannten Sägen


Gespannte Sägen
A Sägearm, B Steg, C Griff oder Hörnchen, D Sägeblatt,
E Spanndraht, F Schraubbolzen, G Flügelmutter, H Angel

Äußerlich sehen die gespannten Sägen alle gleich aus. Sie unterscheiden sich im wesentlichen nur durch verschiedene Gestellgrößen und Sägeblätter. Das Gestell soll dem Sägeblatt die notwendige Spannung und dem Arbeiter eine gute Griffmöglichkeit bieten. Es besteht aus den seitlichen rotbuchenen Sägearmen. In der Mitte, zwischen den beiden Sägearmen, ist ein leichteres, gut gewachsenes Fichtenholzstück gestellt. Es wird als Steg bezeichnet und hat die Aufgabe, die beiden Sägenarme beim Verspannen gegeneinander abzustreben. Am oberen Ende der Sägenarme befindet sich der Spanndraht, der mit einer Flügelmutter angespannt werden kann. Früher übernahm diese Funktion eine Schnur mit Spannstock. Zwischen den unteren Enden der beiden Arme ist das Sägeblatt eingespannt. Hier unterscheidet man im Hinblick auf ihre Befestigung Sägeblätter mit Schraub- oder mit Naturangel. Die Schraubangeln werden am Sägeblatt angeschraubt. Naturangeln sind mit dem Sägeblatt aus einem Stück. Diese Angeln werden in den Griffen oder Hörnchen befestigt. Die Säge wird aber nicht an den Griffen geführt, sondern an der unteren Hälfte der Sägenarme.


Sägeblatt mit Naturangel bzw. Schraubangel

1.1. Die Faustsäge

Die Faustsäge ist die größte Gestellsäge. Ihre Blattlänge beträgt etwa 850-1000 mm. Sie dient zum Auftrennen des Holzes in der Längsrichtung. Das Sägeblatt hat große, weit geschränkte Zähne, die einen rauhen Schnitt erzeugen. Man benötigt mit dieser Säge daher auch viel Kraft, kann aber andererseits mit ihr eine Menge schaffen. Beim eigentlichen Fausten wird die Säge nicht, wie üblich, vor der Hand geführt, sondern mit beiden Händen von oben nach unten, vor dem Körper. Dabei sollte die Säge etwas schräg nach vorn gehalten werden. Das Sägeblatt ist hierzu nicht ganz um 90 Grad aus der Richtung der Sagearme herauszudrehen. Die rechte Hand übernimmt die hauptsächliche Schneidarbeit, die linke Hand die Führung der Säge. Heute kommt das Fausten nur noch selten vor. Wenn man sich vorstellt, daß alle Längsschnitte, zum Beispiel in einer Bauschreinerei, so durchgeführt werden mußten, dann können wir froh darüber sein, daß es die Maschinen und speziell hierzu die Besäumkreissäge gibt, auf der die Schnitte viel schneller und auch gerade durchgeführt werden können und uns der erhöhte Kraft- und Zeitaufwand erspart bleibt.

1.2 Die Schlitzsäge

Wie der Name sagt, soll diese Säge zum Schlitzen verwendet werden. Die Schnittflächen beim Schlitz und Zapfen müssen aber eine sehr feine und saubere Leimfläche ergeben, darum muß das Sägeblatt eine andere Zahnung als die Faustsäge erhalten. Es ist weniger geschränkt, das heißt, die Zahnspitzen sind weniger auseinandergebogen, und die Zähne sind schwach auf Stoß gefeilt. Die Schlitzsäge ist etwas kleiner als die Faustsäge. Die Sägeblattlänge beträgt nach DIN 7245 nur 700, 800 oder auch 900 mm und die Sägeblattbreite 25 oder 40 mm. In Wirklichkeit wird diese Säge in der Werkstatt weniger zum Schlitzen benutzt, sondern mehr für alle vorkommenden kleineren Längs- und Querschnitte. In manchen Gebieten wird sie auch als "Handsäge" bezeichnet. Es ist die Säge, die stets zur Hand ist.

1.3 Die Absetzsäge

Die Absetzsäge hat eine sehr feine Bezahnung. Somit können mit ihr noch feinere Schnitte ausgeführt werden. Die Zähne sind schwach auf Stoß gefeilt. Sie ist auch etwas kleiner als die vorgenannten Sägen. Die Blattlänge beträgt bei Sägeblättern mit Naturangel 700 bis 800mm und mit Schraubangeln 550 bis 650mm. (DIN 7245) Die Absetzsäge wird in der Hauptsache für feinere Querholzschnitte benutzt, besonders zum Absetzen der Zapfen, daher auch der Name "Absetzsäge". Will man eine besonders feine und saubere Schlitz- und Zapfenverbindung von Hand herstellen, kann man natürlich dazu auch diese Säge benutzen.

1.4 Die Schweifsäge

Diese Säge wird ebenfalls in ein Gestell eingespannt. Das mit Recht; denn zum Schweifen - so nennt man den Arbeitsgang des Schneidens von runden Schnitten - kann ja nur ein sehr schmales Sägeblatt benutzt werden, weil man mit einem breiten Sägeblatt nicht um kleine Kurven schneiden könnte. So ein dünnes und schmales Sägeblatt muß ähnlich' wie bei der Laubsäge, besonders stramm eingespannt werden. Die Breite der Schweifsageblätter beträgt nur 6, 8 oder lOmm und die Länge nach DIN 7245/2 530 und 630mm, was einem Angellochabstand von 600 bis 700 mm entspricht. Es kann auch vorkommen, daß in einer Fläche geschweift werden muß. Zu diesem Zweck muß das Sägeblatt an einer Seite aushängbar sein, damit es durch ein vorgebohrtes Loch gesteckt und dann die Innenschweifung durchgeführt werden kann.

1.5 Die Winkel- oder Zinkensäge

Sie sieht auf dem ersten Blick wie eine Schweifsäge aus. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, daß das Sägeblatt


Zinkensägeblatt

nach dem ersten Drittel der Länge um 90 Grad abgewinkelt ist und am vorderen Drittel gar keine Zähne hat. Die Winkel- oder Zinkensäge wird zum Ausschneiden von Zinken verwendet. Man führt sie mit dem zahnlosen, senkrecht gestellten Drittel in den bereits mit der Schlitzsäge ausgeführten Zinkeneinschnitt ein und schneidet dann mit dem waagerecht bezahnten und größeren Teil des Sägeblattes die Zinken aus. Diese Säge kann aber nur für grobere Zinkenarbeiten (Türfutter) verwendet werden, weil durch den Schnitt das Holz auf der Rückseite stark ausreißt.

1.6 Die Laubsäge

Diese Säge ist uns aus der Kinderzeit als Bastelwerkzeug bekannt. Sie hat aber auch als ernsthaftes Tischlerwerkzeug, besonders für Kunsttischler- und Intarsienarbeiten, ihren Platz.

2.0 Die ungespannten Sägen

Hierzu gehören:

2.1 Der Fuchsschwanz ohne Rücken


Fuchsschwanz ohne Rücken

Manchmal hat man Schnitte durchzuführen, bei denen das Gestell der gespannten Sägen im Wege wäre. Zum Beispiel, wenn eine größere Platte durchzuschneiden ist. Hierzu kann man den Fuchsschwanz ohne Rücken (DIN 7244) verwenden. Da diese Sägeblätter nicht eingespannt sind, müssen sie dicker und auch breiter sein, damit sie neben der inneren Sägeblattspannung die erforderliche Festigkeit zum Sägen aufbringen. Die Fuchsschwanzsägen ohne Rücken sind bis 600 mm Blattlänge erhältlich. Die Zähne stehen schwach auf Stoß.

2.2 Der Fuchsschwanz mit Rücken


Fuchsschwanz mit Rücken

Der Fuchsschwanz ohne Rücken hatte eine verhältnismäßig große Blattstärke, die für manche Arbeiten nicht erwünscht ist. Für feinere Arbeiten ist der Fuchsschwanz m i t Rücken im Handel. (DIN 7243) Er hat ein dünneres Sägeblatt, das durch eine U-förmige Metallschiene am Rücken verstärkt ist. Die mittlere Sägeblattlänge dieses Fuchsschwanzes beträgt 300 mm, die Sägeblattbreite 100 mm. Bei den meisten Werkzeugen kann bei Bedarf der Rücken vom Sägeblatt abgenommen werden, so daß man mit ihm auch ganz durchs Material schneiden kann.

2.3 Die Gehrungssäge

Hier wird ein Fuchsschwanz mit Rücken in einem besonderen Gestell fest geführt.

Die Führung ist in verschiedenen Winkeln verstellbar. Somit können mit diesem Werkzeug saubere und genaue Gehrungen angeschnitten werden.

2.4 Die Feinsägen

Wie schon der Name sagt, ist diese Säge für ganz feine Arbeiten und Schnitte gedacht. Die Feinsägen sehen ähnlich wie der Fuchsschwanz mit Rücken aus. Sie haben jedoch einen gedrehten Griff am Ende des Sägeblattes, sind viel kleiner und haben viel feinere Zähne, die nur wenig geschränkt sind und ganz schwach auf Stoß stehen. Nach DIN 7235 beträgt die Blattlänge der Feinsäge 250 mm, die Blattbreite 63 mm und die Blattdicke nur 0,7 mm.


Feinsägen

Zu manchen Arbeiten, besonders zum Schneiden in Ecken, ist ein gerader Griff im Wege. Darum sind auch Feinsägen mit abgekröpften Griffen im Handel. Bei manchen Feinsägen ist dieser Griff noch umklappbar, so daß man in rechte und linke Ecken gleich gut hineinkommen kann.


Stichsäge

2.5 Die Stich- oder Lochsäge

Will man Löcher oder Rundungen innerhalb einer Fläche ausschneiden, dann muß man zur Stich- oder Lochsäge greifen. Sie hat nur ein sehr schmales Sägeblatt, das an der Spitze etwa 5 mm und am Griff 20 mm breit ist. Dadurch kann man mit ihr auch kleinere Rundungen ausschneiden. Aus Festigkeitsgründen ist dieses schmale, nicht eingespannte Sägeblatt besonders dick, etwa 2 mm. Der Griff sieht so wie bei den Fuchsschwanzsägen aus.

2.6 Die Schlüssellochsäge


Schlüssellochsäge

Sie soll zum Einsägen von Schlüssellöchern benutzt werden, besonders bei Zimmertüren. Das Blatt ist noch schmaler als das der Stichsäge. Anstatt des Fuchsschwanzgriffes hat sie eine eiserne Griffschlaufe.

2.7 Die Gratsäge

Mit dieser Säge können Gratnuten eingeschnitten werden. Die Säge arbeitet auf Zug, das heißt, man muß sie zum Körper hinziehen.

Sie hat nur ein sehr kurzes Blatt, etwa 150mm, das in einen Holzgriff in ganzer Länge eingesetzt ist. Von der Blattbreite stehen nur etwa lOmm aus dem Holzgriff heraus.


Furniersäge & Gratsäge

2.8 Die Furniersäge

Mit ihr kann Furnier zugeschnitten werden. Besonders geeignet ist sie für Querschnitte. Sie hat nur ein kleines, nach beiden Seiten flach gerundetes Sägeblatt. Es ist auswechselbar an einen feinsägeähnlichen abgekröpften Griff geschraubt. Die Zähne sind beiderseitig wirkend, werden aber nicht geschränkt, sondern durch Schleifen dünn angeschärft.

2.9 Die Schrot-, Bauch- oder Trummsäge

Schrotsäge

Sie soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Sie ist eigentlich mehr ein Werkzeug für Holzfäller und Zimmerleute. Wegen ihrer Größe müssen mit ihr immer zwei Mann arbeiten. Jeder zieht die Säge auf sich zu. Darum müssen die Zähne auch beidseitig wirkend angefeilt sein.

(Wird fortgesetzt)
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Autor: Wolfgang Jordan
Letzte Änderung: 09. Dezember 2015